Jacob Blake und die Major Leagues

Es ist Freitag, 28. August, gleich 9 Uhr. In 14 Tagen um diese Zeit soll das erste Spiel in der NFL bereits gespielt sein. Ob es dazu kommt, bleibt fraglich. Ein Kommentar von Jonas Arand.

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Jacob Blakes Name reiht sich ein in eine lange Liste. Leider. Wieder wird ein Schwarzer von Polizisten beschossen. Nach den Ermordungen von George Floyd und Breonna Taylor, die wohl die berühmtesten unter den zahlreichen Opfern rassistischer Polizeigewalt in diesem Jahr waren, feuert ein Polizist am 23. August sieben Mal aus kürzester Distanz auf Blakes Rücken. All das vor den Augen seiner Familie in Kenosha, Wisconsin. Später findet die Polizei ein Messer im Auto, was für Apologeten schnell einen ausreichenden Grund für ein Vorgehen dieser Art darstellt. Unter ihnen HoF-Linebacker Brian Urlacher.

In Wisconsin herrscht der Ausnahmezustand. Am 26. August erschießt ein 17-Jähriger zwei Demonstranten, nach dem er mehreren konservativen Plattformen Interviews gegeben hatte. Der Polizei gelingt es, Kyle R. festzunehmen. Trotz eines Sturmgewehrs, das er bei sich führt, fällt bei dieser Verhaftung kein Schuss.

Die Auswirkungen auf den Sport

Mich lassen die Videos und Geschichten aus den USA zunächst sprachlos zurück. Anders scheint es den Spielern in den Profiligen zu gehen. Aus “shut up and dribble” wird zusehends ein Bewusstsein, dass die Spieler Zeichen setzen, Änderungen einfordern und ihre Stimme erheben können.

Am Dienstag, zwei Tage nach den Schüssen auf Blake, setzen die Lions ihr Training aus. Die Milwaukee Bucks in der NBA spielen ihr Playoff-Spiel am Abend nicht und erhalten dafür Rückendeckung durch die Owner. Auch die WNBA setzt aus. Mittwoch ziehen dann mehrere Ligen nach: In der MLB knien beim Spiel der Marlins gegen die Mets die Spieler 42 Sekunden in Anlehnung an Jackie Robinson, den ersten schwarzen Spieler der Liga. Danach verlassen sie den Platz, auf der Homeplate bleibt ein “Black Lives Matter”-Shirt zurück. In der MLB wird kein Spiel gespielt, ebenso in der MLS. In der Nacht auf heute folgt dann die “weißeste” der Major Leagues: die NHL setzt die für Donnerstag und Freitag geplanten Spiel aus. Hier gibt es eine Übersicht der aktuellen Entwicklungen.

Einige NFL Teams verzichteten auf ihre Trainings am Donnerstag: PackersCardinalsTitansColtsJets und das Washington Football Team. Die NFLPA gibt ein Statement heraus:

Viele Teams nutzen den Tag für Gespräche über die Vorkommnisse. Die Ravens stellen klare Forderungen auf.

Noch lebt Jacob Blake, aber ist von der Hüfte ab gelähmt. Wie die Proteste weiter gehen und welche Entscheidungen die Spieler daraus ableiten, steht in den Sternen. Der Start der Liga gerät damit erneut in Gefahr. Pete Caroll erklärte bereits die ganze Saison zur “protest season”. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in den USA sind in Anbetracht von über 180.000 Corona-Toten, einem Wahlkampf, der sich von Anbeginn um Wahlbetrug dreht und der rassistischen Polizeigewalt und Black Lives Matter brüchig wie selten. Während hierzulande noch Studien über Racial Profiling abgelehnt werden – es kann ja nicht sein, was nicht sein darf – muss die Polizei in den Staaten um ihre Legitimität fürchten. Lange genug kamen Polizisten mit Verstößen und Gewalt durch, haben schwarze Menschen ihre Wut zurück gehalten, wurden Spieler mundtot gemacht. Diese Zeiten sind vorbei.

Wie geht es nach den Schüssen auf Blake weiter?

Adrian Amos, Safety bei den Packers, fasst auf Twitter zusammen, was viele schwarze Spieler denken. Meine Solidarität haben sie, auch wenn das bedeutet, dass ich länger auf NFL Spiele verzichten muss, als mir lieb ist.

“I’m not here solely your entertainment.. I’m a Black Man. No I won’t shut up when it comes to my community and the problems we face as a whole.. if that bothers you . Then don’t watch me don’t follow me don’t support me.. if you are not here to help then leave. I will be ok.”

Adrian Amos auf Twitter

Zum Schluss möchte ich euch noch ein paar Worte vom ehemaligen NFL-Spieler Emmanuel Acho mit auf den Weg geben und empfehle euch seine Video-Reihe “Uncomfortable Conversations with a Black Man“.

1 KOMMENTAR

  1. Problem ist einfach – solange sie es nicht einmal richtig durchziehen bleibt es halbgarer Mist den viele, vor allem die an der Spitze, am Ende des Tages einfach ignorieren können.

    Und mit durchziehen meine ich wirklich einen kompletten Streik (es ist ein Streik kein Boykott wie die Republikaner gleich schreien) über mehrere Monate ggf. die Saison durch.

    Wenn man aber groß “wir werden keine Playoffs spielen” trötet, sich Medienwirksam als Team komplett versammelt und eine ein Kommentar abgibt warum man nicht spielen will, nur um dann direkt am nächsten Tag zu sagen “geht am Wochenende im übrigen weiter”…joah ist ja toll, es hat sich in den 24 Stunden seitdem aber nix geändert. Außer das die Idioten nun sogar den Mörder verteidigen weil er nach seinem ersten Mord geflohen ist, gestolpert ist und geschnappt wurde und dann beim Weg freiballern noch jemanden umgebracht hat – war Notwehr. Oh fuck off…

    Bitte nicht falsch verstehen. Das überhaupt ein Zeichen gesetzt wird und zwar in so ziemlich allen Ligen ist ein richtiger Schritt. Auch das z.B. Kenny Smith stumpf mitten in der Sendung aufstand und ging – das sind alles richtige Schritte. Mir fehlt aber einfach das durchziehen.

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