Ein Leben für Oakland – Laney-Coach John Beam

Last Chance U Head Coach John Beam vom Laney JUCO aus Oakland im Interview.

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Lesezeit: 15 Minuten

Die Netflix Doku Reihe Last Chance U lebte über die ersten vier Staffeln durch Gegensätze. Den Gegensatz zwischen laut schreienden Coaches, deren Probleme mit Rassismus und Affektkontrolle auch kein Kamerateam zu verhindern mochte, und Spielern, deren Anspruch und Lebensrealität stark voneinander abwichen. Überdimensioniert wirkende Stadien in der Provinz in Mississippi oder Kansas, die doch immer gut besucht waren. Trainingseinrichtungen, vor denen wohl hier zu lande einige Drittligisten im Fußball vor Neid erblassen. Und mitten drin immer wieder zerbrochene Träume, aber auch die riesigen Egos der Headcoaches. Neuerdings das Laney College.

Ganz anders kommt die fünfte und vorerst letzte Staffel über ein Football Programm an einem Junior College daher: John Beam lehrt seit 1979 Football. Seit 1982 ist er in Oakland, wo er über die Skyline Highschool (160-33-3 Record!) 2004 zum Laney College kam, dessen Headcoach er seit 2012 ist. Über 100 seiner Spieler kamen an Division-I Colleges, 20 schafften es in die NFL. Wir sprachen mit ihm über Oakland, den Wandel der Zeit und seiner selbst. Und besonders über Gesundheit, weit über COVID-19 hinaus.

COVID-19, Oakland und Collegefootball

Unsere erste Frage liegt auf der Hand: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie? Wie geht es Ihrer Community?

Mir geht es gut, danke. Der heutige Tag ist ziemlich traurig. Heute konnte ich unser Equipment abholen, aber musste es eingepackt lassen, weil wir keinen Football spielen bis zum Frühling. Das war bedauerlich. Aber letztendlich: Ich bin gesund, unsere Spieler sind gesund, wir haben Jobs. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Enkelin, das macht mir Spaß. Aber etwas bekümmert mich. Ich mache mir Sorgen um die jungen Leute, wie es ihnen mental geht, ihre psychische Gesundheit. Sie versuchen in die Schule zu gehen und alles Drumherum, ohne ein festes Datum zu haben, wann sie wieder auf das Feld gehen können und das machen können, was sie lieben. Darüber mache ich mir Gedanken.

Damit kommen Sie schon auf unsere nächste Frage zu sprechen: Wie geht es Oakland und dem Laney College?

Ich denke, zurzeit gibt es so viel Unsicherheit. Meiner Meinung nach hat Michelle Obama die besten Worte letzte Woche gefunden, als sie sagte, dass eine leichte Form von Depression umgeht. Das ist, was in diesem Land geschieht. COVID, Politik, Black Lives Matter. Es ist eine sehr schwere Zeit für die Menschen. Die Leute arbeiten nicht, sie wissen nicht, wann sie wieder arbeiten gehen können, die Arbeitslosengelder versiegen. Das verursacht Druck auf die Menschen. Und sonst geht man raus in solchen Situationen, trifft sich mit Freunden und Familie, um sich zu helfen. Das geht aber gerade nicht, weil wir versuchen, Social Distancing zu betreiben.

Die Big 10 und die Pac-12 haben ihre Saison abgesagt beziehungsweise verschoben. Währenddessen versuchen SEC und ACC ihren Weg weiter zu gehen. Was halten Sie davon?

Naja, ich denke, es ist offensichtlich, dass es um Geld geht, nicht? Die SEC ist die Nummer eins Conference im Land. Es ist eine Money-Conference. Und sie ist im Süden. Ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber unten im Süden, da ist die Politik eine andere. Sie denken da die Dinge etwas anders. Da geht es um Football, weniger um Gesundheit. Geld muss eingenommen werden. Das ist etwas kurzsichtig. Pac-12 und die Big 10, die sind anders. Andere Städte, größere Städte wie die in Kalifornien, da wird mehr Wert auf Gesundheit gelegt. Aber sie wird es finanziell sehr hart treffen. Und ich weiß nicht, wie sie dort die Sicherheitsprobleme lösen können.

Man könnte die Leute beschützen. Seht euch die NBA an, sie sichern die Menschen. Aber sie zahlen 150 Millionen Dollar für die Bubble/Blase für die Spieler. Keiner in der Big 10 oder der PAC 12 kann diese Menge an Geld aufbringen. In der SEC hingegen könnten sie das. Georgia, Florida, natürlich Alabama, die haben so viel Geld. Und daher geht es aktuell nur mit Geld, dass man sicher ist. Dass man jeden Tag testen kann, die Ergebnisse geliefert werden und du Quarantäne und Bubbles machen kannst, wenn du Schutzausrüstung zur Verfügung stellen kannst… Alles kostet Geld. Und daher zeigt diese Pandemie zwangsläufig das finanzielle Gefälle, das in unserem Land offensichtlich wird. Und auf der ganzen Welt. Weil es kompliziert ist.

Laney Juco Coach John Beam: “We should never put our youth at risk.” Quelle: Netflix

Ich meine, wenn man eine Pandemie nicht ernst nimmt, Masken oder das Tragen einen weich machen, dann ist das die falsche Botschaft. Unten im Süden, etwa in Georgia, dort hat man sich auf eine Seite geschlagen, da könnte es enorme Infektionsraten geben, besonders wenn die Schulen wieder öffnen. Damit gefährden sie unsere Kinder. Und das ist nicht gut. Florida das Gleiche. Und das sind schlimme Dinge, und wir sollten, wir dürfen niemals unsere Jugendlichen aufs Spiel setzen.

Meine Einstellung ist die: die jungen Männer, die ich trainiere, alle Frauen in unserem Leichtathletik-Programm, sie werden alle wahrscheinlich COVID bekommen. Aber sie werden gesund, sie werden asymptomatisch sein, sie werden nicht wissen, dass sie es haben. Aber sie werden Spreader sein. Das Problem ist, dass sie nach Hause kommen, wo ihre Großmutter oder ihre Tante lebt, die zur Risikogruppe gehören. Und damit setzen sie ihre Familie einem Risiko aus. Das ist das Problem. Das können wir nicht kontrollieren. Sieht man sich aber Alabama an, kann man alle in den Wohnheimen belassen, sie gehen nicht heim.

Nick Saban hat gesagt, sie [die Sportler, Anm. d. Redaktion] sind sicherer dort. Sie fahren nicht heim. Das ist wahrscheinlich eine richtige Aussage. Aber das kann sich nicht jeder leisten. Daran sieht man wieder: es geht um’s Geld. Und das ist traurig.

Blicken wir in die nahe Zukunft: Können Sie abschätzen, was mit ihren Spielern passieren wird? Was wird aus ihrer Zukunft, haben Sie Angst um sie? Was bedeutet die fehlende bzw. verschobene Saison?

Zuerst: ich kann nicht in die Zukunft sehen, weil sie so fluide und vage ist. Zuerst bin ich besorgt, weil wir besondere Spieler haben. Schule ist für die meisten nicht zentral, sie steht hinten an. Football bringt sie in die Schule und dann realisieren sie, was Bildung ihnen bedeuten kann. Und daher mache ich mir gerade Sorgen. Viele von ihnen und ihre Eltern haben Geldprobleme wegen Corona. Daher stehen sie vor der Entscheidung Onlinekurse, Onlinetraining zu besuchen oder Geld zu verdienen, um ihre Familien zu unterstützen. Eben weil die wirtschaftliche Lage so schwer ist. Das beunruhigt mich.

Wir sollen im Frühling spielen. Drei oder vier Spieler haben bereits Stipendien. Denen habe ich gesagt: Ihr müsst dann nicht für uns spielen, nehmt euer Stipendium an. Geht auf eure neue Schule und spielt für die. Sie freuen sich darauf. Das ist positiv. Den anderen, besonders den Sophomores, sagen wir: hey, das ist eure Chance auf einen Abschluss. Habt eine gute Saison im Frühjahr und lasst euch rekrutieren wie alle anderen und geht euren Weg weiter. Und wir versuchen, das voranzutreiben.

Freshmen, die gerade erst zu uns kamen, sind problematisch. Sie kennen uns nicht, vertrauen uns nicht. Wir konnten mit ihnen keine Beziehung aufbauen wie mit den anderen, seit wir sie rekrutiert haben. Wir hatten nur eine sehr kurze Zeit gemeinsam, bis im März der Shutdown kam. Sie kennen uns nur aus Zoom, Telefonaten, sozialen Medien. Das ist nicht das Selbe, als wenn sie das, was wir machen gesehen, angefasst und gefühlt hätten.

Daher bin ich beunruhigt, dass sie vom Weg abkommen, weil sie keinen haben, der sie leitet. Sie hängen in der Luft, ob sie schon zu Laney gehören oder sich noch mit ihrer Highschool und dem was diese ausmacht identifizieren. Das ist schwer. Darüber mache ich mir die meisten Gedanken.

Mental Health und der Wandel der Zeit

Als wir die Dokumentation gesehen haben, hatten wir immer wieder den Eindruck, dass Oakland sehr wichtig für sie ist. Sie arbeiten dort seit einer sehr langen Zeit . Könnten Sie uns beschreiben, was die Community für Sie bedeutet, sowohl als Coach als auch als Mensch?

Wisst ihr, was ein Quilt ist? Ein Quilt ist eine Art Decke oder ein Überzug, der dich warm und trocken hält. Es setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Und das ist Oakland. Es sind die einzelnen Teile. Wenn diese Einzelteile zusammen genäht sind, ergibt es etwas Schönes und Kraftvolles. Und es setzt sich aus verschiedenen Farben zusammen, versteht ihr? Es ist nicht nur ein Ding, nicht nur eine blaue oder rote Decke. Es setzt sich aus all den Farben zusammen, aus denen wir sind. Und so fühle ich mich. Ich bin ein Teil dieses großen Gebildes, dass den wunderschönen Quilt ergibt.

Was ich versuche, ist, dabei zu helfen, die anderen Teile heran zu ziehen, um das Ganze stärker zu machen. Manchmal denke ich, dass wir Sport oder Schule als einen Ausgangspunkt nutzen, von dem Fäden nach außen reichen. Ich glaube daran, dass wir das können. Dass wir dabei helfen, dass von unserem Coaching bezüglich Football und unserer Lehre, etwas ausgeht, was unsere Community stärker macht auf lange Sicht.

Wir fanden es sehr spannend, Ihren Reflexionen über die sich ändernden Zeiten zu zu sehen und wie diese Sie als Trainer verändert haben. Können Sie uns etwas über die Entwicklung von damals bis heute erzählen? Was hat sich verändert und wie haben sich die Perspektiven verschoben?

Leute, die mich kennen, haben gesagt, dass ich mich seit den frühen Tagen meiner Karriere nicht viel geändert hätte. Ich bin noch der gleiche Mensch. Ich glaube, man kann hart sein, streng, darauf achten, dass die Spieler spuren. Zeitgleich muss ich bescheiden sein und den Spielern ermöglichen, ihre Gefühle auszudrücken und ich muss gewährleisten, dass sie diese Gefühle mir gegenüber zeigen. Also habe ich immer bewusst meinen Arm um die Jungs gelegt und sicher gestellt, dass sie bei mir einen sicheren Ort, einen Safespace, einen Rückzugsort haben. Nach und nach habe ich jedoch gemerkt, dass psychische Gesundheit wichtig ist.

RJ Stern in Episode 4. Quelle: Neflix

Es geht nicht nur darum, sie aufzupumpen, sie zu besseren Spielern zu machen, sie besser zu machen. Vielmehr muss man verstehen, dass mental health ein riesiges Thema ist, dass wir anerkennen müssen. PTSD [Posttraumatische Belastungsstörung, Anm. d. Red.] ist real. Und wenn man sich die Community ansieht, in der ich bin, die ist gewaltvoll, da gibt es viel Tod, viel Gewalt und Wut. Aus diversen Gründen, Gentrifizierung und Ähnlichem, Missbrauch. Sich dieser bewusst zu sein und Hilfe und Dienstleistungen mit einzubeziehen – das kann ich nicht allein. Meine Frau ist ein wesentlicher Teil bei allem, was ich mache. Und es hilft, sie mit den Spielern und Studenten zusammen zu bringen. Sie hilft mir dabei.

„It‘s really important to understand that mental health is a really big issue, and we need to be cognizant of that. PTSD is real.“

Coach Beam

Wie man in der Doku sieht, habe ich eine Sozialarbeiterin. Diese junge Frau kenne ich seit ihrer Highschoolzeit. Sie wollte mehr in der athletic community, der Sportwelt machen und hat als Praktikantin ein Zertifikat benötigt, daher hat das perfekt gepasst.

Es gibt ein Sprichwort bei uns: „it takes a village to raise a man, a person“. Viele Leute da draußen helfen. Es sind nicht nur deine Eltern oder dein Vormund. Es sind wir alle zusammen. Wir bringen alle unsere eigenen Erfahrungen und Erlebnisse ein, um dabei zu helfen, ein Mann/Mensch zu werden. Daran seht ihr: ich, meine Frau, meine Assistentin Sakai, unsere Sozialarbeiter, unsere Coaches bis hin zu einem Polizisten, den ich ins Training bringe, um andere Perspektiven aufzuzeigen – Alles hilft, erwachsen zu werden. Und das ist der Schlüssel.

Wir haben Dior Scott zugesehen, wie er dem Druck von Wide Receiver auf Quarterback zu wechseln ausgesetzt war. Das ist doch ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig psychische Gesundheit für das Spiel sein kann?

Absolut. Ich muss sagen, Diors Stärke war, dass er das mit uns geteilt hat. In Last Chance U sieht man ihn auf dem Feld, aber tatsächlich fing das früher am Tag an. Er kam zu Sakai, sprach über die Belastungen in seinem Leben. Sie versuchte ihm zu helfen, aber es brachte nichts. Also klopfte sie an meine Tür. Ich war in einem Meeting, was ich abbrach. Er kam herein und wir sprachen. Ich machte achtsamkeitsbasierte Atemübungen mit ihm. Das schien dann zu wirken. Also gingen wir aufs Feld und dann kam die Angst zurück. Ich ging auf ihn zu und holte meine Frau ans Telefon. An diesem Punkt haben wir, ich, meine Frau, Sakai, wir alle versuchten ihm dabei zu helfen, durch diesen schweren Moment zu kommen.

Receiver und Aushilfsquarterback Dior Walker-Scott auf dem Trainingsgelände des Laney JUCO. Quelle: Netflix

Aber es hat alles mit seiner Stärke begonnen. Seiner Stärke und seinem Willen, mit uns darüber zu reden, in dieser sehr belastenden Situation. Und dafür hat er Anerkennung und Lob verdient, meine ich. Es ist manchmal schwer, als Mann zu zeigen, dass man verletzlich ist, dass es schmerzt. Besonders in der schwarzen Community.

Ihre Frau scheint eine große Rolle, nicht nur in Ihrem Leben, sondern auch in denen ihrer Jungs zu spielen. Erzählen Sie uns von ihr und wie ihre besondere Rolle in ihrem Coaching Staff zustande kam.

Meine Frau, Cindi Rivera, ist lizenzierte Paar- und Familientherapeutin. In ihrer Privatpraxis arbeitet sie mit erwachsenen Einzelpersonen, Paaren und Jugendlichen, insbesondere mit People of Color, und hilft ihnen, emotional zu heilen und mit Herausforderungen wie Angst, Depression, Verlust, Trauer, Trauma, konflikthaften Familienbeziehungen, Kommunikationsschwierigkeiten, Elternschaft usw. fertig zu werden. Sie bietet Workshops für Women of Color und Couples of Color an, um den Umgang mit starken Emotionen zu verbessern und bessere Beziehungen aufbauen zu können.

Ich habe sie einmal [nach Laney, Anm. d. Red.] kommen lassen, um den Spielern einen Vortrag darüber zu halten, wie sie mit dem Stress umgehen können, den sie durch den Druck in Familie, Schule und Football erfahren. Sie brachte ihnen einige Achtsamkeits- und Atemübungen bei. Ein paar der jungen Männer fühlten sich wohl bei den Gesprächen mit ihr und baten, mehr mit ihr sprechen zu können, wenn sie sich gestresst, ängstlich oder deprimiert fühlten, und sie war ihnen eine Hilfe. Sie hat mir im Laufe der Jahre geholfen, mehr über die Bedeutung der psychischen Gesundheit im Leben eines jeden Menschen zu verstehen.

Gesellschaftlicher Wandel und der Wandel des Footballs

Mehrfach kam in Last Chance U zur Sprache, dass es Angebote aus Division I Colleges für Sie gab. Sie haben diese abgelehnt, weil Sie in Oakland bleiben wollten. Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, als klar wurde: Ich verlasse Oakland nicht. Dies ist mein Zuhause, das ist, wo ich sein möchte?

Es war denke ich 1994 oder 1995, als ich das letzte Mal ernsthaft mit dem Gedanken spielte, Oakland zu verlassen. Ich hatte ein Angebot eines PAC 12, damals PAC 10, Programms. Ich ging dorthin und war einer der Finalisten für die Stelle. Der Head Coach konnte mir aber nicht sagen, was meine Aufgaben sein würden, weil es Streitfragen im Umfeld gab. An dem Punkt wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr über mein eigenes Leben verfügen würde. Über mein Schicksal, meine Familie. Und ich würde darauf hören müssen, was ich mache, wann ich es mache.

In diesem Moment hatte ich mir bewiesen, ich könnte auf der höchsten Ebene coachen. Meine Xs and Os, meine Philosophie und Grundlagen waren gut genug für dieses Niveau. In diesem Moment erkannte ich für mich, dass das Gras an einem anderen Ort nicht grüner sein muss. Seit dem Wechsel von der Skyline Highschool nach Laney [2004, Anm. d. Red.] habe ich mich nicht mehr umgeschaut.

Betrachten wir die Gesellschaft und den Football über, sagen wir das letzte Jahrzehnt: die Veränderungen sind krass. Heute geht es mehr um das Passspiel als um run-heavy. Was änderte sich über die Jahre?

Naja. Ich denke, zuerst geht es beim Football um Anpassung. Wer sich am schnellsten anpasst und dabei am effizientesten ist, gewinnt. Dabei musst du dir selbst aber treu bleiben. Ich bin ein Kind der 70er. Daher bin ich ein Run-First-Guy. Und dabei bleiben wir auch, aber in den letzten fünf oder sechs Jahren schwenkten wir mehr zu einem RPO-System um. Und das war gut für uns. Also nutzen wir die Run-Pass-Option, damit wir den Ball erfolgreich bewegen.

Zeitgleich ist unsere Philosophie, den Ball in die Hände der Playmaker zu legen. Wenn wir einen richtig starken Quarterback haben, kontrolliert man den Ball gut mit ihm. Und dann werden wir den Ball werfen. Auch wenn wir Receiver haben – ich hatte zwei Receiver in Laney, die ihren Weg bis in die NFL gegangen sind. Und wenn wir den Ball laufen können, dann machen wir das. Ich hatte zwei Running Backs, die in die NFL gekommen sind. Noch einmal: Als Trainer sollte dein System deinen Spielern angepasst sein, deine Spieler in dein System passen. Wir spielen das, worin unsere Spieler gut sind. Ich muss flexibel sein, nicht die Spieler.

War das schon immer Ihr Ansatz oder gab es einen Lernprozess über die Jahre?

Nein, ich denke, es war das, was ich sah, als ich in der Skyline Highschool anfing. Ich war dort 22 Jahre lang. Jeder Tailback dort wurde ein Division-I Spieler. Ich hatte immer herausragende Runner. Das war in Oakland immer so: Typen, die überragend laufen konnten. Zum Beispiel Marshawn Lynch. Diese Jungs waren immer da, daher war das meine Philosophie. Aber ich bin aufgewachsen mit USC Football: Student-body-right, student-body-left. Das habe ich dann auch eingebaut. Das Run Game zu Play Action und Short Passing Game. All das wurde heute in RPO-Konzepten kombiniert und passt genau dazu, was ich bereits vorher gemacht habe. Der große Unterschied ist, dass wir komplett aus Shotgun und Pistol agieren. Zuvor war es nur Under-Center.

Coach Beam an der Sideline. Quelle: Netflix

Defensiv glaube ich seit jeher an Man-to-Man. Und an Pressure. Und wir spielen tatsächlich viel Man Coverage und wir üben Druck auf den Ball aus. Wir sind normalerweise in den Top 10 und höher was Sacks angeht. Und Turnover. Wir sind großartig darin, Turnover zu kreieren, den Quarterback zu sacken und Man-to-Man Defense zu spielen.

Wenn wir gerade über technische Dinge im Football und deren Entwicklung reden: Was macht Analytics und advanced statistics für Sie aus? Was halten Sie von diesem eher neuen Ansatz, Football zu betrachten?

Für mich ist es sehr schwer verständlich. Ich mache das alles seit 40 Jahren. Aber ich habe zwei junge Coaches auf der offensiven und etwa drei oder vier auf der defensiven Seite, die daran glauben. Sie sehen sich die Zahlen an und rufen irgendwelche Daten ab.

Mein Special Teams Coordinator und mein Safety Coach – er hat einen Abschluss in Wirtschaft – sie hängen an den Spreadsheets. Sie fügen Zahlen ein und sehen sie sich an. Ich bin ein field guy. Ich fühle Dinge, ich sehe und erkenne mit meinen Augen. Darauf vertraue ich. Ich vertraue keinen Zahlen, weil ich sie nicht verstehe. Ich benutze ein iPad, weil ich den Computer nicht bedienen kann. Und frag mich niemals, ob ich etwas auf einem Spreadsheet eintragen kann. Die Formeln kann ich nicht ausrechnen. Ich kann es lesen, wenn alles eingetragen ist. Aber wie man die verschiedenen Variablen betrachtet, das macht einen guten Analysten aus. Und wenn du jemanden hast, der das beherrscht, ist das eine ziemlich gute Sache.

Ich sage nicht, dass es schlecht ist. Ich persönlich verstehe es nicht. Wenn ich etwas nicht verstehe, spiele ich nicht damit herum. Aber junge Leute in meinem Stab machen darin einen sehr guten Job. Und sie versuchen mir altem Mann zu zeigen, was sie heraus finden. Das finde ich toll. Das ist der Trend.

Ich denke, dass man immer das Neue mit dem Alten verbinden will, weil was heute neu ist, morgen alt sein wird, oder? Man muss sich stets entwickeln. Ich bin der kleinste Nenner in unserem Stab, weil ich das so lange mache. Die anderen müssen mich bei der Film-Analyse abholen. Ich schaue immer noch Tapes an und mache mir Notizen auf einem kleinen Stück Papier. Das muss abgeschrieben werden und auf den Server geladen werden, weil ich nicht weiß, wie das geht.

Ich weiß noch, wie ich meine Arbeit mache, aber sie übersetzen sie für mich. Und das liebe ich. Und das verbindet uns. Die Unterschiede verbinden – das macht unseren Staff so gut. Oder auch wie wir die Dinge sehen. Es können nicht alle gleich sein, sonst wäre es langweilig, oder? Ich will niemals langweilig sein.

Lassen Sie uns bei den Coaches bleiben: Was hat sich über die Jahre verändert? Wie viele Coordinators gab es in den 70ern, wie hat sich die Beziehung verändert?

Also in meinen 17 Jahren bei Skyline hatte ich zwei Defensive Coordinators. Ich sagte die Offense an. In meinem zweiten Jahr 1988 als Headcoach spielten wir 10-0, gegen all diese großartigen Teams, mit einem Stab aus drei Leuten. Jetzt habe ich 10-12 Leute im Staff. Verrückt, oder? Ich glaube an Vertrautheit, familiäres Umfeld.

Cornerback Rejzohn Wright und Athletic Trainer Rick becker an der Sideline. Quelle: Netlifx

Schaut euch meine Coaches an: Unser Offensive Line Coach hat für mich gespielt, der Running Back Trainer hat auf meiner Highschool gespielt und den Abschluss gemacht. Unser Receiver Coach war Quarterback in Laney. Beide Defensive Back Coaches haben bei mir gespielt. Das sind alles meine Jungs. Jeff [Haagenson, Anm. d. Red.], mein OC, wir spielten gegeneinander als Highschool Head Coaches. Ich liebe, was er gemacht hat. Daher wollte ich ihn in meinem Stab. Und dann gibt es meinen Defensive Coordinator, den jungen Typen [Josh Ramos, Anm. d. Red.], der mir von einem ehemaligen Trainer empfohlen wurde, den ich sehr gut kenne. Und er ist in unserem Programm gewachsen und macht einen sehr guten Job, hat sich eingebracht. Ich denke, das ist sehr gut. 

Könnten Sie uns die – sagen wir – fünf besten Spieler ihrer Karriere nennen?

They’re all my best players

Coach Beam

Ok, sagen wir die Berühmtesten.

Ja, offensichtlich C.J. Anderson, der drei Superbowls gespielt hat. Marvell Smith, der zwei Superbowls mit den Steelers gespielt hat [und gewann, Anm. d. Red.]. Frank Summers, ein Fünftrunden-Pick aus Laney, der im Superbowl war, Sterling Moore kam als undrafted Rookie in den Superbowl. Deon Strother spielte für mich, spielte für die Broncos.

Derrick Gardner, der Teil meines Coaching Teams ist, spielte in Atlanta und in Deutschland in der NFL Europe. Er war bei dem Team, dass die NFL Europe gewann [mit den Rhein Fire im World Bowl VIII, Anm. der Redaktion]. Als ich ihm heute von unserem Interview erzählt habe, sagte er, ich soll ihn unbedingt erwähnen, damit sich vielleicht ein paar Trikots von ihm verkaufen.


Das Interview führten Jonas Arand und Julian Barsch

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Julian Barsch
Alles rund um die Themen College Football, NFL Draft und Recruiting. Host des Saturday Kickoff-Podcasts. Fan der Ohio State Buckeyes.

3 KOMMENTARE

  1. Echt schönes Interview. Bitte mehr davon!!!
    Mich würde nur mal interessieren, ob der der Coach an Hand Eurer Fragen überrascht war, dass ihr so tief in der Materie drinsteckt. Das man sich halt auch in Europa so intensiv auch mit den kleineren Colleges im Football beschäftigt.

  2. Schade das er in keiner weiteren Last Chance U Staffel dabei sein wird. Diese Staffel war echt gut und er kam als Coach um so vieles sympathischer rüber als Jason Brown.

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