Dolphins 2020: Hawaiianische Vibes in South Beach

Der große Umbruch läuft auf Hochbetrieb. Die Miami Dolphins haben in Tua Tagovailoa den bereits vor einem Jahr als Wunschspieler gerüchteten neuen Hoffnungsträger gefunden. Nun blickt man optimistisch in eine Zukunft, in der die AFC East so offen wie lange nicht ist.

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Offense:

Abgesehen von der Frage, wann wir den Erstrundenpick Tua Tagovailoa als Quarterback der Miami Dolphins sehen werden, gibt es natürlich noch viele weitere Fragen, auf deren Antwort viele gespannt sind. Der starke Umbau der Offensive Line und der Komplettaustausch des Backfield wurde neben Rookies mit vielen etablierten Spielern angegangen, die nun unter den erschwerten COVID19-Bedingungen schnell zusammenfinden müssen.

Quarterback:

Neben ihrem neuen Hoffnungsträger hat Miami natürlich noch Routinier Ryan Fitzpatrick. Mit ihm konnten die als schlechtestes Team der Liga verschrienen Dolphins fünf Siege einfahren und so manchen Spotter Lügen strafen. Angesichts der runderneuerten OL bleibt abzuwarten, wann der Wechsel von Fitzpatrick auf Tagovailoa geschieht. Die Hüftverletzung Tagovailoas spielt dabei keine große Rolle. Die Teamärzte gaben vor dem Training Camp grünes Licht, wie HC Brian Flores bekannt gab.

Offensive Line:

Wie bereits erwähnt, gab es einen umfangreichen kardiochirurgischen Eingriff am Herz der Offense. Die schlechteste O Line der Liga wurde durch mehrere Neuzugänge ergänzt, von denen man viele früh sehen wird. Neben den Routiniers Ereck Flowers (Left Guard, zuletzt Washington) und Ted Karras (Center, zuletzt New England) stehen die Rookies im Fokus. Erstrundenpick Austin Jackson könnte entgegen vieler Erwartungen Day One Starter sein, da der bisherige Left Tackle Julie’n Davenport Schwachpunkt einer schlechten Unit war. Robert Hunt gilt ebenfalls als Kandidat für den Saisonstart, duelliert sich mit Jesse Davis um den Posten als Right Tackle. Der Verlierer des Duells dürfte aber dennoch viel Spielzeit erhalten und auf Right Guard wechseln.

Receiving:

DeVante Parker dürfte nach seinem Breakout-Jahr 2019 erneut eine besonders große Rolle im Passspiel haben. Neben ihm hofft man auf den nächsten Schritt von Preston Williams, der im vergangenen November von einer Verletzung ausgebremst wurde. Zuvor war der ungedraftete 2019er Rookie eine der positiven Überraschungen der schlechten ersten Saisonhälfte. Da Offense Coordinator Gailey bei seinen letzten Stationen nur einen geringen Fokus auf den Tight Ends hatte, muss man schauen wie sich das auf Mike Gesicki auswirkt. Der Zweitrunden-Pick aus 2018 war mit fünf TDs aus seinen letzten sechs Spielen ein Gewinner des winterlichen Dolphins-Aufschwungs.

Coaching:

Da Headcoach Brian Flores von der defensiven Seite kommt, liegt der Fokus bei der Offense auf Coordinator Chan Gailey. Der 67-jährige bringt viel Erfahrung nach Miami mit, war zuletzt bis 2016 bei den New York Jets. Nun folgt Gailey auf Chad O’Shea, welcher im Dezember nach nur einer Saison entlassen wurde. QB Fitzpatrick ist mit Gailey vertraut, beide arbeiteten bereits in Buffalo und bei den Jets zusammen.

Defense:

Wenn es offensiv eher bescheiden läuft, dürfen sich Fans in vielen Fällen zumindest an einer funktionierenden Defense erfreuen. Nicht so in Miami. Auch hier gehörten das Team aus dem Süden Floridas zu den schwächsten Teams der Liga, insbesondere die Passverteidigung hatte sich gegenüber 2018 deutlich verschlechtert, war nach DVOA von footballoutsiders.com klar am Boden der Liga. Vor allem die Front Seven konnte nahezu keinen Druck auf gegnerische Quarterbacks ausüben. Auch in der Laufverteidigung blieb der Erfolg überschaubar. Brian Flores möchte das Problem vor allem mit Spielern, die er aus seiner Zeit bei den New England Patriots kennt und einem Rekordverdiener lösen.

Front Seven:

Hier sind die Blicke vor allem auf den letztjährigen Erstrundenpick Christian Wilkins gerichtet. Die Nummer 94 hatte auf Defensive End ein gutes erstes Jahr und soll nun mit einer stärkeren Front Seven die nächsten Schritte machen. Neben ihm sollte Devon Godchaux Starter sein, der in sein letztes Vertragsjahr geht. Wer neben den beiden die Defensive Line bilden wird hängt vom System ab. Da die Dolphins weiter keine klare Ausrichtung zu einem 4-3 oder 3-4 haben, gibt es verschiedene Varianten.

Bei den Linebackern erhofft man sich durch zwei Neuzugänge aus New England eine deutliche Verbesserung. Elendon Roberts, aber vor allem Kyle Van Noy sollen für viele neue Akzente sorgen, die der gescheiterte 2017er Erstrundenpick Charles Harris vermissen ließ.

Secondary:

Es war für die gegenwärtige sportliche Lage sicherlich nicht hilfreich, dass man vergangenen Sommer Strong Safety Minkah Fitzpatrick zu den Steelers getradet hatte. Daher überraschte es auch den ein oder anderen, dass die Dolphins im Draft mehrere Safeties ignorierten. Dafür hat man sich mit Noah Igbinoghene einen neuen Corner Back geholt. Die Hoffnungen in der Secondary ruhen vor allem auf Xavien Howard, dessen Knie aber allerhand Fragezeichen hinterlässt. Howard konnte 2019 nur fünf Spiele bestreiten und ist nach einer Knieoperation vergangenen Winter noch nicht soweit ins Training einsteigen zu können. Ob der 27-jährige in Woche Eins spielen kann erscheint äußerst fragwürdig.

Am Start ist allerdings Byron Jones. Der 27-jährige kam aus Dallas nach Miami und soll mit Howard ein Elite-Duo in der Secondary bilden. Dafür hat das Team von Brian Flores viel Geld in die Hand genommen und Jones mit 82,5 Millionen US-Dollar (57 Millionen garantiert) zum bestbezahlten Cornerback der Liga gemacht.

Coaching:

Defensive Coordinator Patrick Graham ist nach einem Jahr wieder weg und koordiniert künftig die Defense der New York Giants. Sein Nachfolger, Josh Boyer, ist auf der Position Neuling. Der 43-jährige war bis 2018 u.a. mehrere Jahre Cornerbacks Coach bei den New England Patriots und übernahm diese Rolle vergangenes Jahr auch in Miami, wo er zusätzlich Defensive Pass Game Coordinator wurde.

Team Projection:

Auch wenn man sich nach Erfolg sehnt, bleibt es realistisch gesehen weiterhin ein Rebuild-Jahr. Auf den positiven Ansätzen des vergangenen Saisonendspurts kann man aufbauen, nun muss man möglichst schnell die vielen Rookies NFL-Ready bekommen. Große Sprünge darf man von den Dolphins wohl noch nicht erwarten. Allerdings ist die AFC East des Jahres 2020 gänzlich anders als die von 2019 und die Tür zu einem Machtwechsel ist nach langer Zeit erstmals wieder offen.

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Jessica Fehlhaber
NFL-Fan und Fantasy-Spielerin. Verliebt seit dem ersten Snap als aktive Spielerin. Fly, Eagles, Fly!

2 KOMMENTARE

  1. Ich bin gespannt wie sich Miami dieses Jahr schlägt und drücke Tua die Daumen dass er den Lobeshymnen auch gerecht werden kann. Es ist sowohl Team als auch Spielern zu wünschen, dass dort mal eine echte Trendwende stattfindet. Die AFC East wird auf jeden Fall nach Jahren mal wieder spannender… Hoffentlich.

  2. Ein sehr sachlicher Artikel, der die Umstände in Miami ziemlich gut beschreibt. Man zieht den Optimismus vor allem aus der Tatsache, dass Flores es geschafft hat, mit vermeintlich schlechten Spielern 5 Siege zu holen.

    Zwar ist der Rebuild gerade in der Offense (Line, WR) noch nicht abgeschlossen – man ist aber auch nicht im Win-Now. Wenn sich nur einige der O-Line-Zugänge (incl. UDFAs sind das C Ted Karras, G/C Donnel Stanley, LG Ereck Flowers, LT Austin Jackson, RG Jesse Davis sowie die Guards Michael Deiter (2019er Draft) und Solomon Kindley) zu einer soliden Line verbessern (es braucht ja lediglich eine Treffer-Quote von 50%), kann man Tua im Laufe der Saison snaps und starts geben. Aber auch ein Redshirt year ist denkbar.

    In der Defense stehen mit Wilkins, Godcheaux zwei sehr solide starter bereit. Wenn von Lawson, Ogbah, Curtis Weaver und Raekwon Davis (der hat bei Bama gezeigt, was er draufhaben KANN) wiederum nur zwei an ihr Limit kommen, ist auch hier schon viel erreicht. Ich denke aber, dass man 2021 noch einen Top prospect hinzufügen wird.

    Bei den LBs mache ich mir weniger Gedanken. Kyle van Noy hat gezeigt, dass er Elite sein KANN. Vince Biegel, Andrew van Ginkel (in seinen wenigen snaps nach langer Verletzung), Jerome Baker, Raek McMillan, Sam Eguavoen, Elandon Roberts, aber auch ST-Ass Kamu Grugier-Hill – wenn sich hier wiederum ein improvement nur bei 40% ein Improvement einstellt, ist Miami sehr gut gerüstet.

    Die Secondary soll das neue Prunkstück der Defense werden. Xavien Howard (wenn fit) und Byron Jones sind mindestens beide Top 15-Cornerbacks. Wenn der im Draft hoch gehandelte slot corner Noah Igbinoghene sein Potential abrufen kann, wird sich hier eine “no fly zone” entwickeln können.

    Schwachpunkte bilden hier auf den ersten Blick die Safeties. Man entschied sich aber bewusst, auf Eric Rowe (letztes Jahr das erste Jahr als Safety), Bobby McCain (hohe Spielintelligenz, auch erst kurz auf Safety), Clayton Fejedelem (auch ein ST-Ass) und Adrian Colbert (mein sleeper bei den Phins; irgendwie hab ich von dem eine sehr hohe Meinung) zu setzen. Das kann sich durchaus auszahlen. Ansonsten hat man als weitere Variante den sehr spielintelligenten Brandon Jones gepickt. Macht der eine ähnliche Entwicklung durch wie sein Namensvetter Reshad Jones, hat man in Miami viel Freude an ihm. Ansonsten wird es auch hier 2021 Nachbesserungen geben.

    Fazit: im Vordergrund der Saison steht die Entwicklung der jungen Talente. Flores setzt auf harte Arbeit und Teambuilding. Wenn sich das in nur der Hälfte der Fälle im Hinblick auf das nächste Jahr bezahlt macht, lassen sich durch einige wenige adjustments (auch im Draft 2021 ist man ja gut mir Picks bestückt) für Jahr drei sehr positive Dinge erwarten.

    Der Anfang und der Grundstein wurden in der zweiten Hälfte der letzten Saison gemacht und gelegt. Wenn es gelingt, diesen Weg zumindest solide weiterzuführen, steht und fällt die Frage, ob Miami ein Top-Team wird, lediglich an der Personalie Tua Tagovailoa. Denn wenn alle Rookies einschlagen (ist unrealistisch, ich weiß), nur der Hawaianer nicht – dann war das ganze Rebuilden umsonst…

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