Am runden Tisch: Fünf Thesen zur NFC East

Die sonst so hochklassige und spannende NFC East war letztes Jahr... frustrierend. In einem Schneckenrennen setzte sich Philadelphia vor Dallas durch, die beiden anderen Teams waren kaum relevant. Können die beiden neuen Coaches frischen Wind in die Division bringen?

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Als unterhaltsam kann man die letzte Saison der NFC East nicht unbedingt bezeichnen – amüsant trifft’s da schon eher. Nicht ohne Grund flammte gegen die Saisonende die Diskussion wieder auf, ob denn wirklich jeder Divisionssieger in die Playoffs dürfe und das auch noch mit Heimrecht?

Geändert hat sich daran nichts, aber auch so sollte niemand eine ähnlich holprige Spielzeit erwarten wie 2019. Hier unsere Autoren mit ein paar abschließenden Eindrücken zur Division.

1.) Wir haben Saisonende. Alex Smith ist Washingtons Starting-QB.

Jonas Stärk: Das ist schwierig vorauszusagen. Fakt ist: Fit ist Alex Smith mit großem Abstand besser als Dwayne Haskins. Die Frage nach der langfristigen Sinnhaftigkeit stellt sich hier aber sehr wohl. Washington hat schlicht nicht den Kader, um im kommenden Jahr etwas zu reißen. Deshalb müsste man überlegen, ob man lieber mit Smith kurzfristig ein paar Spiele mehr gewinnen möchte, oder lieber die Evaluation der Entwicklung von Haskins unter Wettkampfbedingungen fortsetzen möchte. Persönlich würde ich ein dauerhaftes Comeback von Alex Smith als Starting-Quarterback toll finden. Objektiv betrachtet muss man für die langfristige Entwicklung aber wohl Haskins starten lassen. Spielt der gut, hat Washington seinen Spielmacher für die Zukunft. Scheitert er, bekäme Washington immerhin einen so hohen Draftpick, dass 2021 Lawrence, Fields oder Lance in Reichweite wären.

Jessica Fehlhaber: Im Sinne von “Alex Smith darf im bedeutungslosen letzten Spiel starten”? Dann ja. Ein größeres “Happy-End” sehe ich in dieser Comeback-Geschichte nicht, aber selbst das hätte vor Monaten niemand erwartet. Dwayne Haskins wird sich als Nummer 1 festsetzen.

Martin Senfter: Das wäre die endgültige Krönung der jetzt schon sehr wohltuenden Feel-Good-Story. Bis dahin muss natürlich noch einiges passieren: Haskins muss ordentlich abstinken und Smith beweisen, dass er es körperlich tatsächlich drauf hat. Ich denke aber, Haskins wird Starter bleiben.

Jonas Arand: Ich würde davon ausgehen, dass Alex Smith ein paar Spiele startet, wenn Haskins nicht Unvorstellbares vollbringt. Wer von den beiden am Ende spielt, darauf würde ich mich derzeit nicht festlegen.

2.) Dieses Jahr ist das vorerst letzte, in dem die Eagles zumindest einen kleinen Shot auf die Lombardi haben.

Jonas Arand: So klein sehe ich den Shot nicht. Die Eagles gehören zum Favoritenkreis der NFC. Sie haben vielleicht ihre letzte Chance, ähnlich wie die Saints. Die Division geht nur über Philadelphia. Die Qualität ist enorm. Die Tiebreaker gegen die NFC-West-Teams sollte man gewinnen, um den heiß begehrten First Seed in der NFC zu bekommen und dann wäre der Vorteil in den Playoffs enorm. Wie man danach mit dem Cap umgehen kann, wird man sehen. Gerade das Beispiel der Saints zeigt aber, dass man das Titelfenster doch noch nach hinten aufschieben kann, wenn man sich kreativ anstellt. Und sowieso wissen wir nicht, wie der Cap nächstes Jahr aussieht.

Jonas Stärk: Ich habe bereits jetzt Probleme, Philadelphia als echten Contender zu sehen. Ja, Carson Wentz ist ein guter Quarterback und in den Trenches sind die Eagles nach wie vor extrem gut besetzt. Trotz namhafter Verpflichtungen und hohen Draftpicks, haben die Eagles dennoch zu viele Fragezeichen auf Receiver und in der Secondary. Wenn besonders die jungen Receiver einschlagen, haben die Eagles eine Chance mit Dallas um den Titel in der NFC East zu kämpfen. Für mehr wird es mit dieser Secondary aber wohl kaum reichen. Das Alter vieler Leistungsträger und die Salary-Cap-Situation sorgen zudem für einen eher pessimistischen Ausblick in die Zukunft.

Jessica Fehlhaber: Das vorerst letzte sehe ich nicht ganz, aber das Titelfenster wird vermutlich nicht größer werden. Die Cap-Situation und das steigende Alter diverser langjähriger Stammkräfte wird seine Konsequenzen haben. Vielleicht 2021, vielleicht auch noch etwas später, wenn Howie Roseman seine Zahlenmagie einsetzt. Mittelfristig wird man um Rebuilds bestimmter Positionsgruppen (vor allem beide Lines) kaum herumkommen.

Martin Senfter: Die Eagles werden nicht jünger, das Fenster ist jetzt zwar nicht ganz weit, aber zumindest immer noch offen. Ab kommendem Jahr wird man Einfallsreichtum beweisen müssen, die Cap-Situation ist alles andere als einfach.

3.) Prescotts Supporting-Cast und Coaches sind so gut, ein Andy Dalton würde damit Top-10 Efficiency auflegen.

Martin Senfter: An das will ich einfach nicht glauben. Dalton ist einfach meh und Dak immer noch besser als sein Ruf. Außerdem sollten wir erstmal abwarten, wie die Cowboys unter McCarthy tatsächlich performen.

Jonas Arand: Sehen wir uns mal die einfachsten Effizienzdaten der letzten 3 Regular Seasons an:

rbsdm.com/stats/stats

Prescott ist ein Top-10 QB. Könnte eine von Dalton geführte und von McCarthy gecoachte Dallas-Offense in den Top-10 sein? Vielleicht. Wäre sie mit Prescott dann in der Top-5 und an der Spitze der NFC East? Sehr wahrscheinlich.

Jonas Stärk: Viele Quarterbacks würden sich wohl eine Situation wie in Dallas wünschen. Drei potenzielle Top-Receiver, eine nach wie vor gute Offensive Line und ein Head Coach, der bei etwa zwei Drittel der First Down Plays Pässe callt. Das klingt nach den besten Zutaten einer sehr explosiven Offense. Mit Prescott als Quarterback müsste viel passieren, dass die Offense die Saison nicht in den Top fünf beendet. Dalton ist ohne Frage deutlich schlechter als Prescott. Für eine Offense im oberen Ligadrittel könnte es mit diesem Supporting-Cast aber auch für „Red Rifle“ reichen.

Jessica Fehlhaber: Ich bin nicht der größte Dalton-Fan und verstehe den gewaltigen Kellen-Moore-Hype nicht ganz. Aber auf dem Feld bringt die Offense alles mit, um auch mit einem mittelmäßigen Game-Manager eine nennenswerte Rolle spielen zu können. Da stellt sich dann die Frage, wie schnell man jegliche Erinnerung an Jason Garretts Ideen exorzieren kann.

4.) Dwayne Haskins wird einen wesentlich größeren Entwicklungssprung machen als Daniel Jones.

Jessica Fehlhaber: Ja. Mit etwas Erfahrung im Rücken und einem deutlichen Upgrade im Coaching Staff sehe ich Haskins die nächsten Schritte hin zu einem Franchise-QB machen. Auch Alex Smith ist da sicher ein QB, den man gerne als Lehrmeister im Team hat. Bei Jones bleiben mir zu viele Fragezeichen offen. Neben ihm selbst auch durch den Rookie Head Coach Joe Judge und Alphatier Jason Garrett als Offensive Coordinator.

Martin Senfter: Wird einen wesentlich größeren Entwicklungssprung machen müssen. Beide haben es in ihren Teams nicht einfach, beide haben ihre guten und schlechten Seiten gezeigt. Bei Haskins sitzt Smith im Nacken. Er muss liefern. Jones ebenso, hat aber immerhin keinen Veteran im Nacken und sollte zumindest für diese Saison noch die #1 sein.

Jonas Arand: Haskins braucht einen großen Sprung. Nur ist sein Supporting-Cast vermeintlich schlechter als der von Jones. Dazu hat er einen Back-Up, der jederzeit übernehmen könnte. Ich glaube nicht, dass Haskins zeigen kann, wohin er sich entwickeln könnte. Jones vermutlich schon.

Jonas Stärk: Das hängt einzig und allein davon ab, ob Washington Haskins weiter starten lässt, oder Alex Smith den Vorzug gibt. Bereits in seiner Rookie-Saison sah Haskins in vielen Dingen besser aus als Daniel Jones. Beide Spielmacher haben einen schlechten Supporting-Cast. Insgesamt halte ich aber nach wie vor mehr von Haskins und bin überzeugt, dass er die bessere Entwicklung nimmt – wenn man ihn denn lässt.

5.) Mike McCarthy hat eine gute Chance auf “Coach of the Year”.

Jonas Arand: Ich meine, dass dieser Award recht beliebig vergeben wird. Aber: Neue Head Coaches waren in den letzten Jahren öfter vorne dabei, damit hat er einen Vorteil. Dazu hat er Prescott in einem vermeintlichen Career Year. Schlecht sind seine Chancen nicht.

Jessica Fehlhaber: Als Eagles-Fan möchte ich mich bei so einer Frage enthalten. Ich schreibe aber ein Nein. Nicht, weil ich bei den Cowboys keinen Erfolg sehe, sondern eher dadurch, dass McCarthy auf Bedingungen trifft, die vermutlich mindestens 25 andere Head Coaches sehr gerne hätten. Den “Coach of the Year” sehe ich eher bei einem Team, welches sich überraschender für die Playoffs qualifizieren wird.

Jonas Stärk: Das mag für viele abwegig erscheinen. Dennoch haben die Cowboys das Potenzial, eine Top drei Offense zu stellen, nachdem man in der letzten Saison bereits trotz Jason Garrett den zweitbesten Offense DVOA aufwies. Ich sehe die Cowboys als klaren Favoriten der NFC East. Auch in den Playoffs ist dieser Kader sicher nicht chancenlos. Das könnte durchaus reichen, um McCarthys Namen in die engere Auswahl für diesen Titel zu befördern.

Martin Senfter: Ich bin langweilig und behaupte: Er hat die gleichen Chancen wie alle anderen (außer Matt Patricia).

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