Patriots 2020: Jahr eins nach Brady

Nach zwanzig Jahren müssen die Patriots zum ersten mal ohne Tom Brady in eine Saison gehen. Aus Carolina bekommt Bill Belichick Ex-MVP Cam Newton, der an alte Erfolge anknüpfen soll.

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Offense

Der rote Faden, an dem sich diese Vorschau entlanghangeln wird, ist leicht offensichtlich. Selbst mit Tom Brady fiel New Englands Offense letztes Jahr in DVOA aus den besten zehn und besonders das Fehlen von ernstzunehmenden Waffen machte sich bemerkbar. Rob Gronkowski konnte auf Tight End nicht ansatzweise ersetzt werden und im Nachhinein wäre ein Trade für Emmanuel Sanders wohl smarter gewesen, als der für Sanu. Nicht ideale Bedingungen für einen neuen Quarterback. Dazu der Fakt, dass sich besonders viele Patriots-Spieler für einen Opt-Out entschieden haben.

Quarterback

Wenn gesund, ist Cam Newton noch immer einer der besten Quarterbacks der Liga und kein großes Downgrade zu Tom Brady. Dieses “wenn” ist jedoch ein Großes. Letztes Jahr spielte er aufgrund einer Lisfranc-Verletzung nur zwei Spiele, doch seine Schulterprobleme datieren bis zurück ins Jahr 2017. Zur neuen Saison sollte er fit sein und zumindest seine Wurfbewegung wirkte laut NFL-Analyst Steven Ruiz 2019 unbeeinträchtigt. Doch wie anfällig ist er für Folgeverletzungen und wie wirkt sich das auf seinen Einsatz im Laufspiel aus? Fragen über Fragen.

Offensive Line

Zwei Akteure werden den Patriots in diesem Bereich besonders fehlen. Right Tackle Marcus Cannon hat sich entschieden die Saison auszusetzen, aber viel wichtiger – der legendäre O-Line Coach Dante Scarnecchia ging in den Ruhestand. Das wird besonders langfristig wehtun, sich aber besonders bei möglichen Ausfällen in der Saison bemerkbar machen, wenn improvisiert werden muss. Das restliche Personal ist immerhin exzellent. Isaiah Wynn hatte ein solides Rookie Jahr und das Innere der Line könnte das Beste der Liga sein. Center David Andrews kehrt zurück und Shaq Mason und Joe Thuney gehören zur Elite auf ihrer Position.

Skill Positions

Weniger erfreuliches Thema. N’Keal Harry hatte als Rookie große Probleme mit Presscoverage, Julian Edelmans Fangsicherheit machte ihn unzuverlässig und Mohamed Sanu hatte mit Verletzungen zu kämpfen. Da auch Marquise Lee diese Saison nicht spielen wird, muss sich Josh McDaniels größtenteils mit demselben Personal begnügen. Sanu sollte fit vermutlich als Possession Receiver eine solide Option sein und auch bei Harry kann noch eine Entwicklung kommen. Hinter ihnen sieht’s allerdings kaum besser aus. Jakobi Meyers hatte gute Momente und Damiere Byrd kann in einer tiefen Rotation eine Rolle spielen, doch das sind viele Fragezeichen und viel Hoffnung.

Zumal die Tight End Position nach dem Opt-Out von Matt LaCosse noch düsterer aussieht. Devin Asiasi und Dalton Keene könnten spielen, die Umstellung von College zu NFL ist auf dieser Position aber hart. Im Backfield dürfte Newton mit James White im Passspiel eine Konstante haben, ähnlich wie zuvor in Carolina. Um die Early Down Snaps streiten sich Rex Burkhead und Sony Michel. Wildcard ist Rookie J.J. Taylor, der im College Spaß machte.

Coaching

Angesprochener Josh McDaniels hat bereits mit Brady bewiesen, dass er seine Offense von Jahr zu Jahr und von Woche zu Woche beinahe beliebig anpassen kann. Cam Newton ist insofern eher Chance als Herausforderung. Man erinnere sich nur an das Jacoby-Brissett-Spiel 2016 gegen die Texans, als innerhalb von wenigen Tagen Read-Options, Double Screens und sonstige Spielereien ihren Weg ins Playbook fanden. Bleibt abzuwarten, ob McDaniels auch um dieses Receiving Corps herumcoachen kann.

Defense

Was darf man von einer Defense erwarten, die in den letzten drei Jahren in DVOA erst von #31 auf #16 und dann auf #1 sprang? Gerade New Englands Secondary spielte 2019 auf einem brutal hohen Level, aber defensive Leistungen sind von Jahr zu Jahr recht instabil und einige Leistungsträger gehen verloren.

Front Seven

Mit den Abgängen von Jamie Collins, Kyle Van Noy und Elandon Roberts, sowie dem Opt-Out von Leader Dont’a Hightower ist der Linebacker Raum im Vergleich zu letztem Jahr doch ziemlich leer. Gerade in einer Offseason, in der die Trainingszeiten minimal sind, wird besonders in der Laufverteidigung die Abstimmung zu Beginn der Saison nicht passen. Doch Chase Winovich sah in seinem Rookie Jahr vielversprechend aus und mit Josh Uche und Anfernee Jennings bekommt Belichick weitere seiner geliebten Hybridspieler, die sowohl in Passrush als auch Coverage zu gebrauchen sind. Bei anderen Teams würde ich das wohl bemängeln, aber seine Defenses bauen eh nicht auf einem dominanten Vier-Mann-Rush auf. Solide Coverage und davor Druck durch Stunts und Blitze kreieren. Insofern kann man damit arbeiten.

Secondary

Auch bei den Safeties müssen die Patriots umbauen, aber das Cornerback Corps ist weiterhin eines der bestbesetzten der NFL. Stephon Gilmore, JC Jackson und Jonathan Jones als Starter, dahinter mit Jason McCourty und Joejuan Williams weitere Tiefe – besser geht’s kaum. Wie angesprochen müssen sie dahinter auf Patrick Chung verzichten, doch dank der erstklassigen Verpflichtung von Adrian Phillips hätte der vermutlich eh nicht gestartet. Devin McCourty ist unbestritten gut und Rookie Kyle Dugger kann sicher auch in Dime Packages Snaps sehen. Insgesamt ist allerdings gerade das Starting Line-Up nicht mehr das jüngste, das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn’s um potentielles Regressionspotential geht.

Coaching

Bill Belichick.

Team Projection

Ich bin ganz ehrlich, mit Jarrett Stidham hätte ich die Patriots nicht mal ansatzweise im Playoff-Rennen gesehen. Doch Cam gibt dieser sonst recht sparsam besetzten Offense eine gewaltige Upside. Auch wenn man bei dieser Defense eine Regression in Richtung Top-10 erwarten sollte, kann ich New England noch nicht abschreiben. Zu groß ist der Vertrauensbonus für Belichick und McDaniels, dass sie auch ein unterbesetztes Roster hochcoachen können. Neun Siege sollten realistisch sein und das kann in der AFC East zum Divisionssieg reichen – dank Josh Allen sind die Bills absolut keine sichere Sache. Ich muss einen Einbruch sehen, bevor ich an einen glaube.

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James Wiebe
Podcaster. Fan von NFL, CFB und jeder zukünftigen Spring-Football-Liga. Ewiger Dante-Pettis-Believer.

1 KOMMENTAR

  1. Ich bin gespannt, ob die Patriots von 2020 wirklich auf den absteigenden Ast sind und die Zeiten wo ein Super Bowl Sieg mehr oder weniger nur über Brady-Belichick geführt hat nun endlich zu Ende sind. Das nun Cam dort seinen Platz gefunden hat macht die Sache für mich aber durchaus spannend und ich lass mich gerne Überraschen.

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