Chiefs 2020: Believe the Hype

Mit einem Rekordvertrag ausgestattet und einem Super Bowl Sieg im Rücken geht Patrick Mahomes in seine vierte Saison. Können Andy Reid und er diesen Erfolg wiederholen?

0
548
4.7
(16)
Lesezeit: 5 Minuten

Die letzten drei Jahre waren verrückt in Kansas City. Obwohl die Chiefs in Alex Smith einen soliden bis überdurchschnittlichen Quarterback hatten, setzten sie 2017 alles auf eine Karte und zogen Texas-Tech-Quarterback Patrick Mahomes per Uptrade an der zehnten Stelle der ersten Runde. In seinem ersten Jahr saß er hinter Smith und bekam lediglich den Start in Woche 17 gegen die Broncos, da die Chiefs zu diesem Zeitpunkt bereits für die Playoffs qualifiziert waren. In den Trainings und diesem einen Spiel überzeugte er die Verantwortlichen so sehr, dass man Alex Smith nach der Saison wegtradete. Mahomes’ Zeit war gekommen.

2018 marschierte er durch die Liga, gewann den MVP-Award, doch in den Playoffs kam das Aus gegen die Patriots. 2019 hatte er mit Verletzungsproblemen zu kämpfen und Backup Matt Moore musste ein paar Spiele starten. In den Playoffs drehte ein dann fitter Mahomes allerdings auf und stürmte nach drei furiosen Comebacks zum Super-Bowl-Sieg. Eine solide Karriere bisher, möchte man meinen.

Offense

Patrick Mahomes ist die Offense. Sein zwischenzeitliches Fehlen machte sich in den finalen Statistiken bemerkbar, doch die Chiefs belegten dennoch Rang drei in offensiver DVOA und Rang 2 in Passing DVOA. Beides übrigens Rückschritte im Vergleich zur vorhergegangenen Saison. So hoch haben Mahomes und Head Coach Andy Reid die Messlatte gelegt. Die Effizienz des Laufspiel ging etwas zurück, aber das ist bekanntlich auch nicht unbedingt der Fokus von Reids Offensiven.

Quarterback

Tut mir den Gefallen und schaut euch folgendes Video an.

Patrick Mahomes ist mittlerweile der unumstritten beste Quarterback der NFL – das schreibe ich mit höchstem Respekt vor Russell Wilson. Dass er ziemlich athletisch ist und einen Raketen-Arm hat, wussten wir schon vor dem Draft. Doch wie gut er Andy Reids System verinnerlicht hat und wie viel Spielintelligenz er an den Tag legt, hätte kaum jemand für möglich gehalten. Er ist akkurat, macht seine nötigen Anpassungen, wenn Defenses ihn blitzen oder überraschen und ist dabei auch nicht überaggressiv. Ach ja, und er kann ein wilder Gunslinger sein, sich aus den verzwicktesten Situationen befreien und die absurdesten Würfe an den Mann bringen – wenn es die Situation hergibt. Wenn er dieses Jahr noch etwas weniger Verletzungspech hat, sehen wir seinen Backup Matt Moore auch seltener.

Waffenarsenal

Speed, Speed, Speed. Es gibt kein Receiving Corps in der Liga, das Defensiven vertikal so attackieren kann wie das der Chiefs. WR Sammy Watkins lief bei der 2014er Combine 4,43 Sekunden im 40 Yard Dash – damit ist er der langsamste des Starting Trios. Tyreek Hill und Mecole Hardman liefen jeweils Zeiten im 4,3er Bereich. Geschwindigkeit, die keine Secondary ernsthaft covern kann.

Gerade Ersterer ist jedoch noch deutlich mehr als das. Hill kann im Slot sowie außen spielen und nutzt seinen Geschwindigkeitsvorteil auf allen Ebenen aus. Cornerbacks müssen aufpassen, nicht tief geschlagen zu werden, und halten Sicherheitsabstand? Der 26-Jährige ist Route Runner genug, um diesen Platz für kürzere Routen zu nutzen. Sie versuchen, seine kleine Statur gegen ihn einzusetzen und ihn physisch in Press Coverage zu spielen? Mit seiner Flinkheit werden beinahe jedem Gegenspieler die Beine verdreht. Ein Top-10 Receiver, der wunderbar zu Mahomes passt.

Mecole Hardman geht in sein zweites Jahr und ist eine Light-Version von Hill. Nicht so fangsicher, mit weniger feinen Routen, aber fast so schnell und ebenso gefährlich nach dem Catch. Veteran Sammy Watkins ist ebenfalls bei tiefen Würfen gefährlich, aber sehr inkonstant. Im ersten Saisonspiel gegen Jacksonville explodierte er für beinahe 200 Yards und drei Touchdowns, danach kam aber nicht mehr viel.

Nicht nur mit Mahomes wurde verlängert, auch TE Travis Kelce bekam ein neues Arbeitspapier. Damit binden die Chiefs einen der besten zwei Receiving-Tight-Ends der Liga langfristig an sich. Weniger Spieler seiner Position sind so gefährlich downfield – ihr erkennt ein Muster. Um ihr überraschend unterdurchschnittliches Screen Game etwas aufzumotzen, investierte General Manager Brett Veach ihren Erstrundenpick in RB Clyde Edwards-Helaire. Spritziger Runner und – wer hätte es ahnen können – ein Mismatch-Alptraum für Linebacker.

Coaching

Für Andy Reid als Hall-of-Fame Coach konnte man schon vor dem Super Bowl gute Argumente finden – jetzt ist es besiegelt. In einer Liga voller junger, aufstrebender Playcaller wie Shanahan und McVay hält der Hawaii-Hemden-tragende Reid die Stellung für die alte Garde. Die höchste Rate an Pässen bei Early Downs, die zweithöchste Play-Action-Rate, dazu extrem aggressiv bei 4th Downs und Würfen downfield. Er und Offensive Coordinator Eric Bienemy geben den Chiefs mit einem Analytics-lastigen Ansatz und kreativen Playdesigns einen riesigen Vorteil.

Defense

DC Steve Spagnuolo hatte schon mit Kritik zu kämpfen, noch bevor überhaupt der erste Snap 2019 gespielt war. Sich von Legende Justin Houston und Dee Ford zu trennen und sie durch Frank Clark und Alex Okafor/Emmanuel Ogbah zu ersetzen, war gewagt. Die ersten Resultate sprechen aber für ihn. Die Defensive verbesserte sich in DVOA von #26 auf #14 und besonders die Passverteidigung machte einen großen Schritt nach vorne.

Front Seven

Angesprochener Clark, den Kansas City in der Offseason aus Seattle holte, war eine kolossale Enttäuschung zu Beginn der Saison, fing sich aber. Er war ein besserer Rundefender als Passrusher, wurde aber auch von einer hartnäckigen Nackenverletzung geneckt. Wer ihm gegenüber rusht ist unklar, Veteran Alex Okafor wäre vermutlich die erste Wahl… allerdings keine besonders gute. Aber das Prunkstück dieser Defensive Line ist ohnehin innen: Chris Jones bekam wie Mahomes und Kelce eine wohlverdiente Vertragsverlängerung – schon lange gehört er zu den besten Defensive Tackles der Liga. Seine Passrush Grade bei PFF war die zweitbeste von 113 qualifizierenden Spielern, nur übertroffen vom ewig dominierenden Aaron Donald.

Das Linebacking Corps dahinter war noch nie die Stärke der Chiefs, dabei wird es vermutlich 2020 auch bleiben. Anthony Hitchens und Damien Wilson sahen in der vergangenen Saison den Löwenanteil der Snaps und ließen gerade in Coverage doch einiges zu wünschen übrig. Ben Niemann spielte hauptsächlich in offensichtlichen Pass-Situationen und sah dabei okay aus. Rookie Willie Gay Jr. könnte also recht schnell seinen Weg ins Line-Up finden, wenn es die Corona-gekürzte Offseason zulässt. Monster-Athlet mit herausragenden Anlagen, aber auch eine besorgniserregende Anzahl von wirren Fehltritten.

Secondary

2018 hatten die Chiefs einen der besten Pass Rushes der Liga und dennoch eine schwache Defensive, weil ihre Secondary schlicht nicht covern konnte. Die Verpflichtung von “Honeybadger” Tyrann Mathieu änderte dies schlagartig. Der vielseitige Defensive Back spielte im Slot, in der Box, als Free Safety und wurde sogar wiederholt als Blitzer eingesetzt. Mit ihm als Joker sah das Kartendeck von Steve Spagnuolo plötzlich deutlich besser aus.

Charvarius Ward spielte sich außen fest und besonders Rookie Juan Thornhill machte einen herausragenden Job auf Free Safety. Der andere Outside-Cornerback Bashaud Breeland wurde kürzlich wegen der Einnahme illegaler Substanzen für die ersten vier Spiele der Saison gesperrt, war aber eh ein Schwachpunkt der Einheit. Der Abgang von Kendall Fuller nach Washington tut da schon eher weh. So wird Daniel Sorensen vermutlich weiterhin seine Rolle als Strong Safety und Nickel Linebacker einnehmen müssen, bis ihm Armani Watts oder Neuzugang Tedric Thompson den Rang abläuft. Ich setze eher auf Watts.

Coaching

Spagnuolo ist sicher kein Vic Fangio, aber die Defensive von hinten nach vorne aufzubauen, sieht nach einer guten Strategie aus. Bob Suttons ultra-passives Playcalling ist passé, Kansas Citys Defense und besonders die Secondary spielt deutlich aggressiver als in den Jahren zuvor. Die Zeiten von “keep everything in front of you” sind vorbei und das ist auch gut so.

Ausblick

Die Chiefs sind real und gehen so schnell nirgendwo hin. Die Reid-Mahomes-Kombi gibt ihnen ein Element, das kein anderes Team der Liga stellen kann. Die Offense dürfte auch in dieser Saison wieder die Top-3 knacken, was die verbesserte Defense in gute Situationen bringt. Es ist deutlich einfacher zu verteidigen, wenn man mit drei Scores vorne anstatt hinten liegt.Die Chiefs sind heißer Kandidat, ihren Titel zu verteidigen – believe the hype!

Hat dir der Artikel gefallen?

Klicke auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung: 4.7/5 (16 Stimmen)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Folge uns in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

James Wiebe
Podcaster. Fan von NFL, CFB und jeder zukünftigen Spring-Football-Liga. Ewiger Dante-Pettis-Believer.

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen