Das beeindruckendste Comeback der Footballhistorie?

Unter all den Corona-bedingten Meldungen ging eine Meldung fast unter. Alex Smith steht nach seiner Horror-Verletzung 2018 vor einem Comeback.

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Die Berichterstattung rund um die NFL ist momentan völlig anders, als sie in den letzten Jahren jemals hätte sein können. Normalerweise befänden sich die Teams schon seit wenigen Wochen in ihren Training Camps, Spieler duellierten sich um Roster Spots und laut den Artikeln lokaler Teamreporter sei schätzungsweise jeder zweite Veteran „in the best shape of his life.”

Wir haben aber keine normale Offseason. Covid-19 stürzte die Sportwelt in den Vereinigten Staaten ins Chaos und so stehen statt Trainingsberichten Opt-Outs von Spielern, Testprotokolle einzelner Franchises und Ähnliches auf dem Programm. Unter all den Corona-bedingten Schlagzeilen ging jedoch eine Meldung beinahe unter, die noch vor einiger Zeit unmöglich schien.

Dass Smiths Beinbruch im November 2018 mehr als kritisch für den weiteren Verlauf seiner Football-Karriere war, dafür brauchte man nicht Medizin studiert zu haben. Zu schmerzhaft sahen die Videoaufnahmen aus und zu präsent waren die Parallelen zu Joe Theismann. Auf den Tag 33 Jahre zuvor hatte sich der damalige Quarterback der Washington Noch-Redskins eine ganz ähnlich komplizierte Verletzung zugezogen, die seine Karriere beendete.

Diese Umstände allein würden ein Comeback schon zu einer mittelschweren Sensation machen, doch wie wir mittlerweile alle wissen, blieb es nicht dabei. In den folgenden Wochen war es recht ruhig um Smith. Es gab vereinzelte Reporte zu Komplikationen bei seiner Operation, aber erst die ESPN-Dokumentation „Project 11“ von Stephania Bell im Mai diesen Jahres zeigte die vollen Ausmaße dieser „Komplikationen“.

“Necrotizing fasciitis“

Der erste Eingriff, bei dem Schien- und Wadenbein mit mehreren Platten und Schrauben wieder in Stellung gebracht wurden, verlief problemlos. Doch als ein leichtes Fieber, das nach so schweren Operationen normal ist, nicht abklang, wurden seine Ärzte misstrauisch. „Necrotizing fasciitis“ lautete die Diagnose. Zu Deutsch: Fleischfressende Bakterien hatten Smiths Bein befallen. Ohne Behandlung könnten diese auf weitere Teile seines Körpers überspringen, zur Sepsis oder gar zu Organversagen führen.

Die Lösung leicht gesagt, schwer getan: Das infizierte Gewebe musste herausgeschnitten werden. Doch aus einem Eingriff wurden mehrere Eingriffe. Schließlich ging es nicht mehr darum, Smiths Bein vor einer möglichen Amputation zu retten, sein Leben stand auf dem Spiel.

Elizabeth, we’re doing the best we can. And right now, our first priority is we’re going to save his life. And then we’re going to do our best to save his leg. And anything beyond that is a miracle.

Dr. Robin West zu Smiths Gattin

Letztendlich wendete sich alles zum Guten und der Quarterback überlebte. Sein Bein behielt er in Theorie, doch nach insgesamt 17 Operationen war davon nicht mehr viel übrig. Das Bild hier zu zeigen ersparen wir euch, gesehen habt ihr es vermutlich eh schon. Was folgte, waren Monate mühseliger Reha mit einem Gestell um das zerschundenen Bein und ein Trip ans San Antonio Military Medical Center für Soldaten mit Kriegsverletzungen.

Dass Alex Smith nach solch einer Leidensgeschichte am Ende der Dokumentation mit seinen Kindern spielend im Garten zu sehen ist, gleicht einem medizinischen Wunder. Allein der Gedanke wieder als Leistungssportler auf dem Platz zu stehen? Wahnsinn.

Quarterback Duell in Washington?

Nun, soweit ist es noch nicht. Zwar wurde der jetzt 36-Jährige von seinen Ärzten spielbereit erklärt, doch ob Washingtons Ärztestab das genauso sieht, ist unklar. Die Vorbereitung wird er auf der PUP-List beginnen, was eigentlich heißt, dass er noch keinen Physical bestehen kann. Und obwohl Head Coach Ron Rivera bestätigte, dass Smith – wenn fit – Teil der QB-Diskussion sei, bleibt zu bezweifeln, dass er Vorjahresstarter Dwayne Haskins ernsthaft um seinen Job bringen wird. Sein Cap Hit von 20,3 Millionen Dollar ist natürlich happig, aber eben komplett garantiert. Wieso ihn also nicht erstmal für ein Jahr als Backup behalten?

Ehemalige Starter als Mentoren zu behalten, ist normalerweise keine gute Idee, aber Alex Smith ist auch kein normaler Quarterback. Nach Kansas Citys Super-Bowl-Sieg im Januar stellte Patrick Mahomes heraus, wie wichtig der Ex-Chief für die Franchise war und auch Head Coach Andy Reid sprach in höchsten Tönen über dessen Rolle in Mahomes’ Entwicklung.

I joke about it, but it’s true: Patrick couldn’t pay Alex enough for what he gave him with that experience.

Chiefs Coach Andy Reid über Smith

Colin Kaepernick spielte 2013 eine ganz ähnliche Klaviatur. Wer auch könnte die Schwierigkeiten und Probleme junger Quarterbacks besser verstehen, als jemand der selbst nach dem College ins kalte Wasser geworfen wurde und beinahe ohne Hilfe schwimmen lernen musste. Seine Karriere als Backup hinter Dwayne Haskins zu beenden, mag nicht in den prototypischen Lebenslauf eines ehemaligen #1 Overall Picks passen, doch niemanden wird das weniger stören als ihn. Selbst wenn er nie wieder einen Snap in der NFL entgegennimmt, hat Alex Smith jetzt schon eines der beindruckendsten Comebacks der Footballhistorie hingelegt.

1 KOMMENTAR

  1. Tatsächlich ist diese sensationelle Meldung im tagtäglichen Corona-Update fast ein bisschen übersehen worden, aber für solche Fälle haben wir ja jetzt die Lead Blogger 😉
    Auf jeden Fall ist es der absolute Wahnsinn, dass Smith wieder in der Lage sein soll, professionell Hochleistungssport zu betreiben. So oder so, einem Typen wie ihm ist nur das beste zu wünschen!

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