Covid und Kohle – Neuland für die NFL

Nach langen zähen Verhandlungen haben sich NFL und Spielergewerkschaft (NFLPA) endlich auf Corona-Änderungen im Collective Bargaining Agreement (CBA) geeinigt und die meisten Opt-Outs liegen hinter uns. Zeit den Brotkrumen zu folgen und Zeit über das gute Grüne zu reden. Das andere gute Grüne.

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Hört man nicht in ausnahmslos jeder Krimiserie im Fernsehen mindestens einmal die Redewendung “follow the money”? Folge den Geldströmen, und Motiv sowie Täter findest du auf dem Weg dahin. Nun, Verbrechen sind bei den Verhandlungen zwischen NFL und NFLPA hoffentlich nicht passiert, aber Motive gab es schon. Egal wie hart um Testprotokolle und Ähnliches gestritten wurde, das Hauptaugenmerk lag stets auf dem Geld.

Sollte die Saison in Großteilen ohne Zuschauer gespielt werden – wer trägt die Umsatzverluste?

Die Geldmaschine NFL

Lasst uns einen Blick auf die nackten Zahlen werfen. Die NFL hat 2019 um die 15 Milliarden Dollar eingenommen. Über die Hälfte davon stammt aus TV-Verträgen, auf die die aktuelle Corona-Krise keinen Einfluss hat – Sorgen um die Zukunft der Liga müssen wir uns also nicht machen. Doch komplett auf Zuschauer zu verzichten würde zumindest kurzfristig ein Loch in die Kassen reißen. Nicht nur die Ticketeinnahmen an sich fielen weg, auch Gebühren von Zweitverkäufern wie Stubhub blieben aus und die Buffalo Bills könnten nicht mehr 10,50$ pro Bier verlangen. Wie groß die Einbußen exakt sind weiß man nicht genau, Schätzungen gehen aber von drei bis vier Milliarden Dollar aus, bis zu einem Viertel der Gesamteinnahmen.

Zur Erinnerung: Durch das neue Collective Bargaining Agreement (CBA) gehen ab 2021 mindestens 48% der Einnahmen an die Spieler. Die andere Seite der Medaille: Verliert die NFL Geld, verlieren auch die Spieler Geld und zwar im aktuellen Fall bis zu 70 Millionen Dollar. Seit Jahren steigt das Salary Cap stetig an und liegt momentan bei knapp unter 200 Millionen Dollar. Das in einem Jahr – und sei es nur einmalig – um ein Drittel zu reduzieren, wäre ein Desaster für alle Beteiligten. Besonders für Teams wie die Saints, die seit Jahren immer wieder Gehälter in zukünftige Jahre schieben und dabei auf ein steigendes Cap wetten, wäre das ein Quasi-Todesurteil.

Einbruch des Salary Caps?

Da das gerade erst unterzeichnete CBA keine sogenannte Force-Majeure-Klausel hat, musste also schon wieder verhandelt werden. Was genau bewirkt diese Klausel? Zu gut deutsch: Fallen Spiele aus, bleibt die NFL auf den Kosten sitzen und kann nicht von sich aus Spielergehälter kürzen. Keine schlechte Position für die Spielergewerkschaft. Und auch wenn es bei dem Hin und Her natürlich auch um die Sicherheit der Spieler und Coaches ging – ohne gegenseitiges Entgegenkommen in finanzieller Hinsicht würde es keine Saison geben.

Man tauschte mehrere Angebote und Gegenangebote aus, schließlich einigte man sich auf Folgendes. Die Spieler verzichten in dieser und den kommenden Saisons auf Boni von insgesamt 17 Millionen Dollar pro Team. Diese werden nicht direkt von den Gehältern abgezogen, vielmehr verlieren sie Zahlungen wie das Pro-Bowl-Gehalt, Bezahlung für Postseason Bye-Weeks, leistungsabhängige Boni und einige andere Fonds. Frühestens in drei Jahren können diese ganzen Benefits wieder eingeführt werden.

Findet die Saison wie geplant statt, werden die Umsatzausfälle bis 2023 verteilt, um einen einzigen großen Hit abzufedern. Die Spieler bekamen garantiert, dass das Salary Cap nie unter 175 Millionen Dollar fällt. So haben Teams etwas mehr Spielraum und können für die nächsten Jahre besser planen. Spätestens ab 2022, wenn die neuen TV-Deal anstehen, sollte das Cap dann wieder steigen. Roger Goodells Traum von einem Jahresumsatz bei 25 Milliarden Dollar bis 2027 bleibt also möglich.

Was bekommen die Spieler?

Die NFLPA saß endlich mal am längeren Hebel, das hat sie daraus gemacht: Spieler, die aus welchem Grund auch immer an der Saison nicht teilnehmen wollen, müssen dies nicht. Sie können einen Opt-Out ziehen, bei dem ihr Vertrag praktisch ausgesetzt wird. Für diese Saison bekommen sie dann eine Art Übergangszahlung, von der es zwei Arten gibt:

  • High-Risk Opt-Out: Spieler mit Vorerkrankungen können diese Option ziehen und bekommen eine einmalige Zahlung von 350.000$. Ihr Vertrag verschiebt sich um ein Jahr nach hinten, sie bekommen dennoch eine “accrued season“. Das ist wichtig, wenn’s um das Veteran Minimum oder Versicherungsansprüche nach ihrer Karriere geht.
  • Voluntary Opt-Out: Diese Option steht jedem Spieler offen. Sie bekommen ein Darlehen von 150.000$, aber keine “accrued season”. Bitte richtig lesen – ein Darlehen. Dieses wird von ihrem Gehalt im nächsten Jahr abgerechnet und notfalls in Rechnung gestellt, sollten sie keinen Job mehr finden.

Spielen wir mal durch, wie das sich in den Büchern später lesen könnte. Dont’a Hightower wählte den Voluntary Opt-Out, wodurch sein 2020er Cap Hit von über zwölf Millionen Dollar auf null fällt. Anstatt nach dieser Saison Free Agent zu werden, ist er noch mindestens zwei Jahre in Boston. Nächstes Jahr fällt sein Base Salary dann um die angesprochenen 150.000$ auf 7.850.000$. Das gibt auch Teams mehr Flexibilität – wenn sie schon Spieler durch Opt-Outs verlieren, bekommen sie immerhin finanziellen Spielraum dazu.

Und sonst so?

Aufgrund der immer lauter werdenden Gerüchte von einer Absage der Herbstsaison im College Football, eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Profis. Auch ohne Covid-19 ist die NFL immer auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, also was gäbe es passenderes als Samstagsspiele? Schön jeden Samstag Triple-Header und schon wären die Verluste durch fehlende Ticketeinnahmen teilweise abgefangen. Denn das ist im Endeffekt doch das Wichtigste – und nur Bares ist Wahres!

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James Wiebe
Podcaster. Fan von NFL, CFB und jeder zukünftigen Spring-Football-Liga. Ewiger Dante-Pettis-Believer.

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