Steelers 2020: Mit Quarterback spielt es sich besser

Die 2019er Saison hielt Steelers Fans zwischen einer großartigen Defense und wirklich katastrophalem Quarterback-Leistungen gefangen. Jetzt ist Big Ben zurück von seiner Verletzung und eigentlich kann es nur aufwärts gehen – aber was ist mit der Defense?

0
431
4.5
(11)
Lesezeit: 5 Minuten

Die 2019er Saison der Steelers war bereits vorbei, bevor sie überhaupt so richtig begonnen hatte. Noch in der ersten Hälfte in Woche zwei bei den Seahawks verletzte sich Quarterback Ben Roethlisberger am Ellbogen des Wurfarms und fiel den Rest der Saison aus. Es übernahmen die Backups Mason Rudolph und Duck Hodges, die – so ehrlich sollten wir sein – meilenweit weg von NFL-würdigen Leistungen performten.

Auf der positiven Seite kann man jedoch die Defense der Steelers notieren, die ihr Team trotz des angesprochenen miserablen Quarterback-Spiels oftmals im Spiel halten konnte. Insbesondere nach dem Trade für Minkah Fitzpatrick machte die Unit einen gewaltigen Sprung nach vorn.

Offense

Nach DVOA schlugen die Steelers sogar die dysfunktionale Jets-Offense – wenn auch nur knapp – und belegten Rang 32 von 32 Teams. Autsch.

Quarterback

Ben Roethlisberger beim Einalufen. Quelle: https://www.flickr.com/photos/brookward/49923618753/

Big Ben is back! Nach der frühen Verletzung musste man sich zwischenzeitlich Sorgen um Big Ben machen, als Bilder von ihm im Netz auftauchten, die ihn mit einem völlig ungepflegten, langen und zotteligen Bart zeigten. Ist das noch der Big Ben, den wir kennen? Es stellte sich heraus, dass er sich so lange nicht rasieren wollte, wie er nicht trainieren konnte. Inzwischen ist er – zumindest optisch – wieder der Alte.

Ob er das auf dem Platz auch sein wird, bleibt offen. Eine derart schwere Verletzung am Wurfarm in Bens Alter ist mit Sicherheit nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. In 2017 und 2018 stellten die Steelers die dritt- beziehungsweise sechstbeste Offense nach DVOA. Das Bild der Top-5 Offense aus Steel City zieht sich über Jahre. Auch nach EPA pro Dropback ist Ben ganz vorne mit dabei: von 2015 bis 2018 waren nur Brees und Brady besser.

Offensive Line

PFF führt die Steelers-Offensive-Line auf Rang neun in der abgelaufenen Saison. Dabei konnten sie gar die drittbeste Grade in puncto Pass Protection vorweisen. 2020 heißt die Steelers Line von links nach recht Alejandro Villanueva, Stefen Wisniewski, Maurkice Pouncey, David DeCastro, Matt Feiler. Villanueva, Pouncy und DeCastro gelten hier seit Jahren als gesetze Größen und bilden den Anker der Line. Matt Feiler startete letztes Jahr auf Right Tackle und bekam von PFF die beste Grade der gesamten Unit.

Aus Steelers Kreisen heißt es jedoch, dass man Feiler auch auf Left Guard starten könnte. Folglich hieße der Right Tackle dann entweder Zach Banner oder Chukwuma Okorafor. In jedem Fall dürften die Steelers auch dieses Jahr wieder eine Top-10-Unit stellen und dürfen erneut in Richtung des virtuellen Offensive-Line-Podiums schielen.

Skill Position Player

Vor der letzten Saison war die große Frage, wie die Steelers Offense den Abgang von Ausnahme-Receiver Antonio Brown verkraften würde. Da sich Ben aber bereits in Woche 1 verletzte ist Tomlins Offense uns diese Antwort noch schuldig. JuJu Smith-Schuster brillierte neben Brown, spielte aber eben dank Brown meist gegen den zweiten Corner des Gegners und viel aus dem Slot. JuJu war letzte Saison ebenfalls von Verletzungen geplagt und konnte nicht an die starken ersten Jahre seiner Karriere anknüpfen. Er dürfte dieses Jahr aber die unumstrittene Nummer 1 bei den Steelers sein.

JuJu Smith-Schuster. Quelle: https://www.flickr.com/photos/brookward/26046292738/

Daneben scheint Diontae Johnson als Outside-Receiver gesetzt. In seiner Rookie-Saison ging er ob Namen wie D.K. Metcalf, Terry McLaurin oder A.J. Brown etwas unter, sah aber dennoch 86 Targets und kann ein 68,8 PFF Grade vorweisen. Die dritte Receiver-Position wird aller Voraussicht nach James Washington bekleiden. Dieser hat seine Rolle jedoch keinesfalls sicher, denn dahinter lauern Return-Spezialist Ryan Switzer und Rookie Chase Claypool auf Targets und Touches.

Claypool dürfte insbesondere in der Red Zone ein beliebtes Ziel werden. Mit ihm haben die Steelers nun das vierte Jahr in Folge einen Receiver in der zweiten oder dritten Runde des Drafts gewählt. JuJu kam 2017, Washington 2018, Johnson 2019 und nun Claypool 2020.

Auf Tight End hat man Eric Ebron von den Colts verpflichtet, der Veteran Vance McDonald Konkurrenz machen wird. Beide sind wenig konstant und insbesondere Ebron hatte über seine Karriere immer wieder mit Drops zu kämpfen. Ich rechne jedoch nicht damit, dass die Tight Ends – außer vielleicht Ebron in der Red Zone – eine allzu große Rolle im Passing Game spielen werden.

Auf Running Back geht James Conner als Starter in die Saison, scheint jedoch angezählt. Auch hier investierten die Steelers das vierte Jahr in Folge einen Pick in einen Running Back: Anthony McFarland Jr. heißt der Herausforderer in diesem Jahr. In Passing Downs wird man vermutlich auf Jaylen Samuel setzen.

Coaching

Nachdem Offensive Coordinator Randy Fichtner über die letzten Jahre ebenfalls als Quarterback-Coach fungierte, änderte Tomlin dies in der Offseason und installierte den begehrten Matt Canada als neuen Mann mit Verantwortung für die Quarterbacks. Schematisch sollten wir keinen großen Wandel erleben. Die Steelers werden eine passfreudige Offense bleiben und Ben den Ball tief werfen lassen.

Defense

Die Defense war gewissermaßen der exakte Gegenpol zur Offense. Ein starker dritter Rang hievte das Team in der Gesamtwertung trotz der miesen Offense auf Rang 18. Der Fitzpatrick-Deal hatte daran einen nicht unerheblichen Anteil. Insbesondere was Turnover angeht, spielte die Steelers-Defense in einer anderen Liga. Hier müssen wir jedoch mit erheblicher Regression rechnen.

Front Seven

Der Pass Rush der Steelers ist einer der besten der Liga. Auf den Edge-Rusher-Positionen starten T.J. Watt und Bud Dupree, der unter dem Franchise Tage spielen wird. Watt war letztes Jahr einer der besten Edge Rusher der gesamten NFL. Dahinter darf man sich in Pittsburgh auf Drittrundenpick Alex Highsmith freuen. In der interior Line ist Cameron Heyward eine One-Man-Wrecking-Crew. Sein Nebenmann dürfte wie gehabt Stephon Tuitt sein.

Dahinter hoffen die Pittsburgh-Fans auf den nächsten Schritt bei Linebacker Devin Bush, der mit seiner enormen Geschwindigkeit ein wahrer Sideline-to-Sideline-Backer ist. Etwas sorgen bereiten die Pass-Coverage-Skills von ihm und seinem Partner Vince Williams. Dessen Stärken liegen vor allem in der Run Defense.

Secondary

Cornerbacks scheinen DIE Problemzone der Steelers zu sein. Es fehlt der klare Nummer-Eins-Cornerback. Steven Nelson spielte zwar in der vergangenen Saison auf einem solchen Niveau, ob er dieses halten kann, scheint aber fraglich. Die andere Outside-Position wird Joe Haden bekleiden. Ebenso wie Slot-Corner Mike Hilton ist diese Positions-Besetzung solide, mehr aber auch nicht.

Minkah Fitzpatrick fängt eine Interception. Quelle: https://www.flickr.com/photos/brookward/49016220301

Der Leader der Secondary ist Free Safety und Allzweckwaffe Minkah Fitzpatrick. Er kam während der vergangenen Saison aus Miami und machte die Steelers-Defense sofort besser. Daneben wird der ehemalige Erstrundenpick Terrell Edmunds starten, welcher in Coverage die glasklare Schwachstelle in dieser Unit ist. Nach zwei Jahren bleibt auch wenig Hoffnung auf ein plötzliches Breakout.

Coaching

Mike Tomlin.

Team Projection

Die Frage, die sich stellt, ist nicht ob, sondern wie stark sich die Steelers Offense verbessern wird. Auf der anderen Seite wird die Defense sehr wahrscheinlich von negativer Regression getroffen werden. Die Verbesserung der Offense sollte jedoch deutlich mehr wiegen. Knüpft Ben an seine Leistung an, müssen wir mindestens mit einer Top-10-Offense rechnen. Das sollte in Verbindung mit einer soliden bis guten Defense reichen, um mindestens um die Playoffs mitzuspielen, vielleicht sogar, um mit ein wenig Glück den Ravens ein Bein auf dem Weg zum Divisionstitel zu stellen.

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen