Scoring-System im Fantasy Football

Was ist “Scoring” überhaupt? Wie funktioniert es? Welche verschieden Arten von Scoring gibt es und worauf muss ich bei den einzelnen Varianten eigentlich achten?

2
553
4.9
(15)
Lesezeit: 7 Minuten

Wer sich mit Fantasy Football beschäftigt, der kommt nicht drum herum, sich für jede Liga aufs Neue mit dem jeweiligen Scoring Einstellungen zu beschäftigen. Die Möglichkeiten sind dabei schier unendlich und es kann schnell kompliziert werden. Die Basics wollen wir euch in diesem Artikel an die Hand geben.

Was ist “Scoring” und wie funktioniert es?

Scoring ist das Werkzeug, mit dem sich die Leistungen der Spieler vom realen Spielfeld in Fantasy Punkte übertragen lassen. Die am weitesten verbreiteten Elemente, aus denen die Fantasy Punkte bestimmt werden, werden wir im Folgenden beleuchten.

Basics des Fantasy Football Scorings

Im Folgenden wollen wir zunächst die wichtigsten Positionen in der Offense näher betrachten. Das sind die Quarterbacks, Running Backs, Wide Receiver und Tight Ends. Aus diesen Positionen setzt sich der Großteil eines jeden Fantasy Teams zusammen und die Basics im Standard Scoring bilden die Grundlage für eine Vielzahl an speziellen Elementen, die das Erlebnis “Fantasy Football” auf ein neues Level heben.

Running Backs

Die vielleicht wichtigste Position im Standard Fantasy Football ist die des Running Backs. Deswegen ist es wichtig zu verstehe, wofür ich Punkte bekomme und welche Stats mir herzlich egal sein können. Für Running Backs müssen wir uns auf “Yards from Scrimmage”, also die Anzahl an zurückgelegten Yards – egal ob am Boden (Rushing) oder durch die Luft (Receiving) – und die erzielten Touchdowns konzentrieren. Pro Yard from Scrimmage werden 0,1 Punkte vergeben, wohingegen es für jeden Touchdown 6 Punkte aufs Konto gibt. Darüber hinaus spielen ebenfalls noch Fumbles (-2 Punkte) und 2-Point Conversions (2 Punkte) eine Rolle. Außerdem gibt es noch Formate, in denen es für jede Reception (Passfang) schon eine gewisse Anzahl Punkte gibt. Dazu aber später mehr!

Wide Receiver & Tight Ends

Auf dem echten Rasen sind diese beiden Positionen primär für das Fangen von Pässen verantwortlich. Deshalb macht eben genau dies den Löwenanteil der Fantasy Punkte aus. Pro gefangenem Yard gibt es 0,1 Punkte, pro Touchdown 6 Punkte. Das Scoring ist damit nicht nur analog zu jenem der Running Backs, es wird tatsächlich sogar das selbe Scoring System für beide Positionen benutzt. Receiver können auf die exakt gleichen Arten wie Running Backs Punkte erzielen. Naturgemäß macht ein Receiver jedoch zumeist weniger Yard als ein Running Back, da er schlicht weniger Chancen bekommt, Yards zu erzielen. Um dies auszugleichen, wurde das oben bereits angesprochene “Points per Reception” System eingeführt, welches das Fangen eines Passes mit extra Punkten belohnt. Dieses ist jedoch so komplex, das wir ihm später noch einen eigenen Absatz widmen wollen.

Quarterbacks

Die Fantasy Punkte für Quarterbacks setzen sich im Wesentlichen aus drei Elementen zusammen: Passing Touchdowns, Interceptions und Passing Yards. Da Quarterback meist deutlich mehr Yards erwerfen, als Running Backs erlaufen oder Receiver fangen, bekommt der Quarterback weniger Punkte pro Yard. Für gewöhnlich gibt es 0,04 Punkte pro Yard, also 1 Punkt je 25 Yards und nur 4 Punkte pro Passing Touchdown. Trotz dieser Minderung der Punkte bleiben Quarterbacks die Spieler, die im Schnitt am meisten Punkte erzielen.

Defense & Special Teams

In Standard-Ligen wird oft die Position D/ST als eine Roster-Position genutzt. Hierbei steht die Abkürzung D/ST für Defense & Special Team. Somit stellt man neben individuellen Offense-Spielern die komplette Defense plus das Special Team einer Franchise auf. Das Scoring verhält sich dabei so, dass eine D/ST mit 10 Fantasy-Punkten startet und diese so lange behält, wie das Team keine Punkte im wahren Spiel zugelassen hat. Im Anschluss gibt es Abstufungen, wie viele der 10 Punkte noch übrig bleiben, je nachdem, wie viele Punkte das Team zulässt. Tabellarisch ist dies wie folgt darzustellen:

Zugelassene Punkte im SpielFantasy Punkte
010
1-67
7-134
14-201
21-270
28-34-1
>35-4

Während über die zugelassenen Punkte eine Team-D/ST nur Fantasy-Punkte verlieren kann, können über besondere Leistungen, meistens wahre Big Plays, Fantasy-Punkte gewonnen werden. Hierbei gibt es Punkte für Sacks (1 Punkt / Sack), Interceptions, Fumble Recoveries, Safeties (jeweils 2 Punkte pro INT, FR, S) und Touchdowns (6 Punkte). Touchdowns können von der Defense oder vom Special Team bei Kick-/Punt-Returns erzielt werden. Zudem kann eine verhinderte und zurückgetragene 2-Point-Conversion ebenfalls 2 Punkte einbringen.

Scoring 2.0

Wenn ihr bereits erste Erfahrungen gesammelt habt, ist es irgendwann an der Zeit, dem Fantasy Football Erlebnis etwas mehr Würze zu verleihen. Dazu gibt es eine Vielzahl an Optionen, die eurer Liga mehr Tiefe geben. Die unserer Meinung nach spannendsten wollen wir euch hier vorstellen.

Points per Reception – Wide Receiver und Receiving Backs im Fokus

Ein immer stärker im kommendes Konzept ist jenes der “Points per Reception” (PPR). Hierbei gibt es für jeden Passfang eine festgelegte Punktzahl. Unterschieden wird hier zwischen “Half-PPR”, bei dem es 0,5 Punkte für jeden Catch gibt, und “Full-PPR”, welches Receptions mit einem vollem Punkt belohnt.
Die Konsequenzen machen sich hier vor allem dadurch bemerkbar, dass Receiving Backs, als auch Reiver und Tight Ends, deutlich mehr Fantasy Punkte erzielen. Bei einem solchen Format kann es sich lohnen bewusst auf Spieler zu setzen, die vielleicht nicht allzu viele Yards erzielen, dafür aber oft vom Quarterback angespielt werden.

TE-Premium – Die oft vergessene Position

Tight Ends im Fantasy Football eine Sache für sich. Einige Teams binden die Position so gut wie gar nicht in ihr Passpiel ein, andere designen ihre ganze Offense um einen der wenigen Elite Tight Ends herum. Bei dem oben vorgestellten Scoring, können jedoch meist sogar diese Elite Spieler ihrer Position nicht mit den Besten Spielern der anderen Positionen mithalten. Deshalb werden ihre Stats bei einem “TE-Premium” System etwas aufgebläht. Für gewöhnlich gibt es 1,5 bis 2 mal so viele Punkte pro Reception oder einen Bonus für jeden Pass der zu einem First Down führt.

Mach deine Liga zu etwas Besonderem

Je länger ihr euch mit Fantasy Football beschäftigt, umso mehr werdet ihr irgendwann feststellen, dass auch PPR und TE Premium nicht mehr das Nonplusultra der Faszination Fantasy Football sind. Die gute Nachricht: Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Die Möglichkeiten, das Scoring bis ins letzte Detail zu personalisieren, gehen noch weit über das bisher Vorgestellte hinaus.

Je nach Plattform findet ihr für beinahe jede Statistik, die ihr am Sonntag auf den Boxscore Seiten der NFL findet, eine Option diese in Fantasy Punkte umzumünzen. Ein paar dieser Optionen wollen wir im Folgenden vorstellen.

Punkte pro First Down

Eine in ihrer Bedeutung oft unterschätze Statistik ist die Anzahl der erzielten First Downs. Um überhaupt in Scoring Range zu kommen, muss das Team in der Lage sein, den Ball oft über das gesamte Feld zu bewegen. Dazu sind First Down schlicht unerlässlich. Solch wichtige Plays in eurem Fantasy Scoring abzubilden, kann die Wertigkeit von Spielern näher an ihren Wert auf dem echten Rasen bringen.

Tiered PPR

Ein einfaches PPR System reicht euch nicht aus und ihr wünscht euch, das System etwas zu verfeinern? Dann ist vielleicht Tiered PPR etwas für euch. Hierbei gibt es nicht per se einen halben oder ganzen Punkt für jede Reception, sondern es wird zwischen der Länge der Pässe unterschieden. Ein tiefer Pass ist dabei mehr Wert, als ein Checkdown zum Running Back. Unter 5 Yards könnte man beispielsweise 0 Punkte vergeben, bis 20 Yards 0.5 Punkte und bei über 20 Yards einen vollen Punkt.

Positionsspezifisches Scoring

Eine weitere Option eurer Liga mehr Tiefe und Komplexität zu verleihen ist das Einführen positionsspezifischen Scorings. Hiermit könnt ihr für das gleiche Resultat je nach Position unterschiedlich viele Punkte vergeben. Wide Receiver sind euch im Vergleich zu Running Backs zu schwach? Dann probiert doch einmal für Receiving Yards von Running Backs nicht mehr 0.1, sondern nur noch 0.05 Punkte pro Yard zu vergeben. Besonders gerne wird dieses Feature in Kombination mit einem PPR System genutzt.

Worauf ihr achten solltet

Die Kombination all dieser Elemente bietet euch schier unendliche Möglichkeiten, euer eigenes Scoring zu entwickeln. Eine Sache solltet ihr jedoch immer berücksichtigen: Achtet auf ein Gleichgewicht zwischen Positionen! Wenn der beste Quarterback doppelt so viele Punkte wie der beste Running Back macht, dann geht euch eben jenes verloren. In letzter Konsequenz kann dies dazu führen, dass es weniger sinnvolle Strategien gibt, erfolgreich zu sein, was den Spielspaß rauben kann. Achtet also darauf, dass die Elite Spieler auf den Hauptpositionen in etwa gleich viele Punkte erzielen.

Bonus: Individual Defense Players – Tackle, Sack & Interception

Next level – IDP. In Standard-Ligen gibt es die weiter oben beschriebene Position “Team Defense + Special Teams”. Um der Defense ein wenig mehr Respekt zu zollen und die individuellen Leistungen hervorzuheben, gibt es auch die Möglichkeit, die Defense in ihre einzelnen Positionen aufzugliedern. Zunächst etabliert hat sich die Aufteilung in

  • “DL” – Defensive – Line, wo Defensive Tackle und Defensive End aufgestellt werden können, 
  • “LB” – Linebacker, zu denen sowohl Inside- als auch Outside-Linebacker zählen und
  • “DB” – Defensive Back, worunter Cornerback und Safety fallen.

In Ligen mit erfahrenen IDP-Spielern findet man auch die Anwendung von “True Positions”, bei denen es eigene Spots für Defensive Tackle (DT), Defensive End (DE) oder Edge Rusher (EDGE), Linebacker (LB), Cornerback (CB) und Safety (S) gibt. Um eine ausgeglichene Gewichtung zwischen Offense und Defense zu erlangen, wurden mehrere Systeme entwickelt, die man als Grundlage für das eigene Scoring nehmen kann. 

Standard IDP Scoring

Grundsätzlich können die zu bewertenden Aktionen der Defense denen der Offense gegenübergestellt werden. Wird in der Offense ein Laufspiel über den Running Back durchgeführt, bekommt dieser für die zurückgelegten Yards Punkte. Die Defense reagiert auf diesen Spielzug und beendet ihn durch einen Tackle (insofern kein Touchdown erzielt wurde). Dabei wird unterschieden, ob es ein Tackle eines einzelnen Spielers war (Solo-Tackle), oder ob ein Tackle von mehreren Spielern gesetzt wurde (Assisted Tackle). In der Regel bekommt ein Spieler für einen Assisted Tackle die Hälfte der Punkte, die es für einen Solo-Tackle gibt. Wenn beispielsweise ein Linebacker den Running Back mit einem Solo-Tackle stoppt, gibt es für dieses Tackle 1.0 Punkte. Stoppen zwei Linebacker den Running Back, erhalten sie beide 0,5 Punkte durch Assisted Tackles.

Das Pendant zum Tackle beim Laufspiel ist ein Pass-Break-Up/Defended Pass bei einem Pass-Spielzug der Offense. Natürlich kann nach einem erfolgreichen Pass aber auch ein Tackle den Spielzug beenden. Im Standard Scoring bringt ein Defended Pass 1.0 Punkte.

Die dritte größere Kategorie, die auch im Standard IDP Scoring Punkte bringt, sind Sacks. Für einen Sack bekommt der Spieler 2 Punkte. Als weiteres Big Play neben einem Sack gibt es noch den Forced Fumble, der noch einen Punkt mehr und somit 3 Punkte einbringt. Wie ein Forced Fumble bringt eine Interception ebenfalls 3 Punkte ein.

“IDP 123 Scoring”-System

StatistikFantasy Punkte
Quarterback Hit1
Assisted Tackle1
Solo Tackle2
Tackle for Loss2
Forced Fumble3
Fumble Recovery3
Passverteidigung3
Safety3
Blocked Kick3
Sack6
Interception6
Touchdown6

Wenn man sich mit IDP etwas mehr beschäftigt und die Relevanz eines Big Plays mehr gewichten möchte, ist das IDP 123 Scoring eine mögliche Variante, die im Folgenden tabellarisch aufgeführt wird. Im IDP 123 Scoring herrscht eine größere Ausgeglichenheit zwischen den defensiven Positionsgruppen, da dort seltener vorkommende Aktionen mehr Punkte einbringen und dadurch gegenüber dem häufig vorkommenden Tackle „aufholen“. Zudem werden noch weitaus mehr Aktionen eines defensiven Spielers berücksichtigt, wie zum Beispiel ein Quarterback-Hit. Außerdem erzielen die Spieler hier im Mittel mehr Punkte und erlangen dadurch deutlich mehr Bedeutung im Vergleich zu Spielern in der Offensive.

Hat dir der Artikel gefallen?

Klicke auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung: 4.9/5 (15 Stimmen)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Folge uns in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

Florian Schmitt
Passionierter Titans Fan und Lead Blogger der ersten Stunde. Analytics-Nerd und Liebhaber des Passing Games. Fantasy Football Enthusiast und Graphics-Guy.
Martin von Rötel
Vater von zwei zukünftigen Tennessee Titans Spielern (ok, vielleicht auch nur Fans) und selber leidenschaftlicher Fan. Fantasy Football Junkie, Owner der Bogland Ballers und ein wahrer IDP-Freak.

2 KOMMENTARE

  1. Ich finde die Rubrik hier im Blog klasse. Ich bin letztes Jahr in Thema Fantasy Football reingerutscht und kann hier wirklich noch viel lernen. Danke dafür 🙂

    • Vielen Dank für die positive Rückmeldung, Dominic. Falls irgendwo Fragen auftauchen, schreib uns gerne an. Unter “Team und Philosophie” gibt es die Kontaktmöglichkeit zu jedem Autor via Mail oder Twitter. Ansonsten hoffen wir natürlich, alle Fragen eh über unsere kommenden Artikel zu beantworten 😉

Schreibe eine Antwort

Scheibe deinen Kommentar
Sag uns deinen Namen