Fail to the Redskins: Das Washington Football Team, Stand jetzt

Zur Lage der Nation

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Hätte es Corona nicht gegeben, wir würden wohl nur über Black Lives Matter reden. Nach Colin Kaepernicks Kniefall 2016, seiner Demission und der Schlammschlacht zwischen Trump, Ownern und Spielern, ist das Thema für Footballfans bekannt. Auswirkungen auf den Liga-Alltag brauchten aber – leider – einen krasseren Vorfall. Seit der Ermordung George Floyds demonstrieren bis heute täglich tausende Menschen auf Amerikas Straßen gegen Polizeigewalt und Rassismus. Womit auch über die Redskins debattiert werden musste.

Kaum ein aktueller Owner in der NFL genießt einen schlechteren Ruf als Dan Snyder in Washington. Wohl kein Besitzer in der Geschichte der NFL hat einen schlechteren als George Preston Marshall, Gründer der Franchise. Nach dem Umzug von Boston nach Washington 1937 führte er die von seiner Frau verfasste Hymne „Hail to the Redskins“ ein. Der Name Redskins sei eine Hommage an die Ureinwohner und beziehe sich auf den Headcoach William „Lone Star“ Dietz, der sich selbst als Sioux sah. In dem Lied, welches bis in die späten 60er Jahre so gespielt wurde, geht es ums Skalpieren, auf dem Kriegspfad sein und andere Klischees.

Über die Jahrzehnte nutzte das Team Karikaturen über Natives zu Werbezwecken. In Tradition dieser wohlgepflegten Rassismen trieb es Marshall, indem er sich partout dagegen wehrte, schwarze Spieler einzustellen. 1961 gezwungen durch einen Erlass von Robert F. Kennedy – ironischerweise später Namenspatron des Stadions der Redskins – unterzeichnete mit Bobby Mitchell der erste schwarze Spieler einen Vertrag. 1972 gab es die erste Delegation von Ureinwohnern, die sich gegen den Namen und das Logo aussprach. Die Hymne änderte sich, die Cheerleader trugen keine „Indianerperücken“ mehr.

It goes on and on…

Die Diskussionen gingen weiter. Zur Jahrtausendwende übernimmt Dan Snyder das Team, ändert nichts am Namen, muss in Maryland spielen. Die politischen Entscheidungsträger im District of Columbia haben eine Rückkehr nach Washington bereits zuvor von einer Namensänderung abhängig gemacht. 2013 verklärte Snyder dann den dem Teamnamen inhärenten Rassismus zum Kulturgut:

(…) we cannot ignore our 81-year history, or the strong feelings of most of our fans as well as Native Americans throughout the country. After 81 years, the team name ‘Redskins’ continues to hold the memories and meaning of where we came from, who we are, and who we want to be in years to come. (…) We’ll never change the name. It’s that simple. NEVER – you can use caps.

Am 19. Juni dieses Jahres, dem Jahrestag der Befreiung von der Sklaverei, wurde vorm Robert F. Kennedy Memorial Stadium in Washington D.C. das Denkmal für Marshall entfernt. Eine Woche darauf wurde sein Name dann auch im FedEx Field getilgt. Die nach ihm benannte Stadionregion wird nach Bobby Mitchell umbenannt, welcher im April verstarb. Seine Rückennummer wird im Zuge dessen retired. Den Sponsoren des Teams geht dieses Symbol wohl aber nicht weit genug. Nike stellte den Verkauf von Fanartikeln ein, FedEx und Pepsi stehen kurz davor, ihre Partnerschaft aufzukündigen.

In diesem Moment – so scheint es – ist Snyder dann Geld doch wichtiger als die Tradition. In einem offiziellen Statement heißt es, man prüfe, ob man den Namen ändert. Insider wissen schon, was kommen wird: Stand jetzt gibt es in der NFC East das „Washington Football Team“. Und das bleibt wohl auch bis mindestens Ende dieser Saison so – die Neuvergabe des Namens dauert an, das Logo ist von der Website und den Trikots genommen, nur die Domain blieb am Ende.

Als jemand, der die Offseason in Washington begleitet hat, war ich erleichtert. Ein Konflikt beigelegt, der beigelegt gehörte. Endlich Fokus auf Sport: Rivera, Haskins, die vielleicht beste Defensive Line der Liga, ein tiefes Backfield. Und die Rückkehr von Alex Smith. Oder auch nicht.

…and on

Mitte Juli kamen Gerüchte auf, es gäbe einen Skandal um das Washington Football Team. Über zwei bis drei Tage überschlugen sich wildeste Spekulationen, bis die Washington Post dann letztendlich einen Artikel herausbrachte, der es in sich hatte: Über Jahre hinweg haben Männer in der Franchise – vom Personalchef bis zum Stadionsprecher – Frauen belästigt. Von Journalistinnen bis zu Praktikantinnen. Die meisten der Opfer bleiben anonym: Sie hatten gegen Geld Verschwiegenheitserklärungen getauscht – ein Beweis dafür, dass das Problem im Unternehmen hinlänglich bekannt war. The-Athletic-Autorin Rhiannon Walker beschrieb eindrücklich, wie sich das Klima um die Franchise auf sie ausgewirkt hat, wie unmöglich es für Frauen ist, im Männerzirkus Sport zu vergessen, dass man Frau ist. Aber auch, wie bewusst dem Team und damit auch Snyder die Problematik gewesen sein muss.

Hail to the Washington Football Team

Seit einiger Zeit redet jener Snyder über einen „culture change“. Mit Ron Rivera als neuem Headcoach wollte er jenen bereits vor allen Widrigkeiten der vergangenen Wochen anstoßen. Mittlerweile haben aber wohl die Umstände mehr umgestoßen, als er das im Sinn hatte. Alter Name weg, Entlassungen des Personalchefs und seines Stellvertreters. Dazu der Rücktritt von Larry Michael, Stadionsprecher und verantwortlich für die PR: krasser kann sich „team culture“ kaum in solch kurzer Zeit verändern. Mit Julie Donaldson wurde eine Frau für eine der vakanten Stellen im Medienteam eingesetzt, die diesen Prozess weiter voran treiben soll.

Wie der Name des Teams bald lautet, ist unklar. Ob dadurch eine Rückkehr von Maryland nach D.C. möglich werden könnte und wie die Fans auf ein neues Logo usw. anspringen, muss man beobachten. Die Redskins sind passé. Das Washington Football Team wird nie wieder dasselbe sein.

4 KOMMENTARE

  1. Guter Artikel wenn auch mit einigen Fehlern, was bei dem Thema auch sehr schwer ist, wenn man nicht intensiv sich mit den Redskins befasst.

    Die Vorwürfe gab es schon ewig, die Washington Post hat es nur wieder aufgeschraubt (da endlich Namen bekannt wurden)

    Jeff bezos hat Interesse an Anteile was dies natürlich befeuert

    Miteigentümer haben trotz Namenswechsel Firmen beauftragt ihre Anteile zu verkaufen

    Hauptsächlich geht es leider nicht um Rassismus, es sind etliche Verträge ausgelaufen, auch mit native Organisationen, die jetzt natürlich die Rassismus Debatte vorschieben um wieder geld zuerhalten ( was dann im Endeffekt nach hinten los ging )

    • Danke für dein Feedback. Bezos und den Verkauf der Miteigentümer habe ich absichtlich raus gelassen, damit der Artikel nicht noch länger wird. Zum letzten Punkt: hast du dazu eine Quelle? Das habe ich tatsächlich nirgendwo gelesen.

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